Man unterscheidet üblicherweise zwischen Primär‑, Sekundär‑ und Tertiärprävention, je nachdem, ob eine Krankheit vermieden, früh erkannt oder ihre Folgen abgemildert werden sollen. Ziel ist es, psychische Gesundheit und Lebensqualität über die gesamte Lebensspanne zu erhalten. Dazu gehört: Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention.
Ziel präventiver Maßnahmen ist es, für jede Lebenslage allgemein schützende extra- und intrapersonale Ressourcen für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ihre Familien/relevanten Bezugspersonen bereitzustellen. Hierunter versteht man vor allem die Förderung folgender Fertigkeiten und Ressourcen: Entscheidungsfähigkeit, Problemlösen, kreatives Denken, kritisches Denken, effektive Kommunikation, interpersonelle Fertigkeiten, Selbstwahrnehmung, Empathie, Bewältigung von Gefühlen, Stressbewältigung, soziale Unterstützung, materielle Sicherheit sowie Zugang zu kulturell bedeutsamen Gütern.
Entwicklungsinterventionen (Early Intervention) nehmen in diesem Bereich einen großen Stellenwert ein. Sie sind häufig langfristig angelegt und setzen in der prä-, peri- und postnatalen Phase bei Individuen an, die unter ungünstigen Sozialisationsbedingungen aufwachsen oder unter Armut und sozialer Diskriminierung leiden. Soziale Kompetenztrainings hingegen setzen an der emotionalen Bewältigung unterschiedlicher Formen der Belastung bei Betroffenen an. Programme zur Stressbewältigung umfassen Maßnahmen zur Wahrnehmungssensitivierung für mögliche Belastungen sowie die Bewusstseinssteigerung für bereits vorhandene Bewältigungs-fertigkeiten. Problemlösetrainings trainieren die Fähigkeit, Probleme zu erkennen, zu analysieren und zu lösen. Sie gehen mit insgesamt guten Effekten einher.
Mehr Informationen zu Prävention: gesund.bund.de/resilenz
Primärprävention umfasst alle Maßnahmen, die die Entstehung von Erkrankungen verhindern. Dies beinhaltet sowohl die gezielte Senkung identifizierbarer Risikofaktoren als auch den Erhalt der Gesundheit durch Förderung von Ressourcen zur Risiko- und Problembewältigung. Dies geschieht zum Beispiel mit Informationskampagnen und Bildungsprogrammen, die das Bewusstsein für psychische Gesundheit schärfen und Strategien zur Gesundhaltung vermitteln. Dazu gehören zum Beispiel Techniken zum Stressmanagement, wie Entspannungstechniken oder Achtsamkeitstraining, oder der Zugang zu niederschwelligen Hilfen. Außerdem können Maßnahmen zur Reduzierung von Armut, Arbeitslosigkeit, Diskriminierung und zur Förderung der sozialen Teilhabe die psychische Gesundheit nachweislich positiv beeinflussen.
Erste Anzeichen einer psychischen Störung so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln, um zu verhindern, dass eine Erkrankung sich ausbildet, verschlimmert oder chronifiziert, ist das Ziel der Sekundärprävention. Früherkennung ist insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sowie im jungen Erwachsenenalter bedeutsam, denn psychische Erkrankungen entwickeln sich oft in diesen Lebensphasen. Doch auch bei älteren Menschgen, etwa mit einer beginnenden Demenz, ermöglicht eine frühzeitige Diagnose und Behandlung einen milderen Verlauf der Erkrankung.
Einmal erkannt, umfasst die Sekundärprävention Maßnahmen wie Beratung, psychologische Unterstützung oder (angeleitete) Selbsthilfe oder in einigen Fällen eine begleitende medikamentöse Behandlung. Es ist wichtig, die Betroffenen und ihre Angehörigen über psychische Gesundheit und Erkrankungen aufzuklären, damit sie verstehen, was vor sich geht und lernen, wie sie am besten damit umgehen können.
Tertiäre Präventionsmaßnahmen beschäftigen sich mit der Begrenzung von Krankheitsfolgen und der Vermeidung erneuter Krankheitsepisoden (Chronifizierung). Personen, die von einer Erkrankung betroffen sind, erlernen individuelle Bewältigungsfähigkeiten sowie Maßnahmen zur Rückfallprophylaxe.
Jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens Stress und schwierige Zeiten. Diese Herausforderungen können von Enttäuschungen über Lebenskrisen bis hin zu traumatischen Erlebnissen reichen. Resiliente Menschen sind in der Lage, solche Ereignisse zu bewältigen, ohne dass ihre psychische Gesundheit langfristig beeinträchtigt wird. Sie sind psychisch widerstandsfähiger als weniger resiliente Personen.
Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, die man hat oder nicht hat. Vielmehr kann sie trotz unterschiedlicher persönlicher Voraussetzungen im Laufe des Lebens entwickelt und gestärkt werden. Zum Beispiel indem man lernt, eigene Stärken und Schwächen besser zu erkennen und zu verstehen, indem man unterstützende Beziehungen zu Familie, Freund:innen und Kolleg:innen aufbaut, sowie gezielt Selbstfürsorge betreibt und schwierige Situationen bewältigt.
Universelle Präventionsmaßnahmen richten sich an die gesamte Bevölkerung und damit auch an nicht oder nur schwach belastete Personen. Ein Beispiel für universelle Prävention wäre die Aufklärung über Drogen an Schulen.
Die selektive Prävention befasst sich mit ausgesuchten, meist hochbelasteten Risikogruppen. Zu Beginn der Intervention liegen noch keine Krankheitssymptome vor. Ein Beispiel wäre die Prävention psychischer Störungen bei Kindern psychisch erkrankter Eltern mithilfe von psychoedukativen Methoden, Förderung der sozialen Ressourcen sowie Einbezug der betroffenen Elternteile.
Eine Präventionsmaßnahme wird als indiziert bezeichnet, wenn bei der Zielgruppe bereits Frühsymptome einer zu vermeidenden Erkrankung vorliegen. Eine Intervention ist in diesen Fällen aus klinischer Sicht notwendig. Zu diesen Maßnahmen zählen z. B. Präventionen für junge Mädchen mit subklinischen Essstörungen wie gestörtem Essverhalten, chronischem Diäthalten und abnormer gedanklicher Beschäftigung mit Figur und Gewicht. Solche Maßnahmen beinhalten neben einer kritischen Reflexion des Schlankheitsideals und einem Informationsteil über pubertäre Fettzunahme und Ernährungsverhalten auch die Stärkung des Selbstwertes vor allem in Bezug auf das Figurbewusstsein.
Diese Art der Prävention richtet sich an einzelne Personen, deren Merkmale und Verhalten. Individuumszentrierte Prävention ist auch als personenorientierte Prävention oder als Verhaltensprävention bekannt. Beispiele für diese Form der Prävention sind der Aufbau sozialer Kompetenzen, Konfliktmanagement, Achtsamkeits- und Entspannungsübungen für Kinder und Jugendliche, die ein störendes Verhalten in Alltagsroutinen bis zu delinquentem und gewalttätigem Verhalten aufweisen.
Umweltorientierte Prävention adressiert die äußeren Bedingungen: Die physische, ökologische, soziale und kulturelle Umwelt der Betroffenen wird mit Ressourcen verschiedenster Art angereichert, um das Auftreten objektiver Belastungen zu minimieren. Diese Art der Intervention wird auch als Verhältnisprävention bezeichnet. Beispiele dafür sind die Suizidprävention, Altersgrenzen bei Alkohol, Tabak und Glücksspiel, Beschränkung der Zugangsmöglichkeiten zu Gewaltmitteln, Verbesserung sozialer Unterstützungssysteme.
„Als ADHS-Betroffene habe ich durch meine eigene Erfahrung gelernt, wie wichtig Prävention für meine psychische Gesundheit ist. Während ich früher oft in eine Spirale aus Überforderung, Angst und Vermeidungsverhalten geriet, verstehe ich heute die Bedeutung tertiärer Präventionsmaßnahmen: Das frühzeitige Erkennen meiner Grenzen und das Erlernen individueller Bewältigungsstrategien.
Konkret bedeutet das für mich, bewusst Pufferzeiten in meinen Terminkalender einzubauen und realistische Einschätzungen meiner Arbeitskapazität vorzunehmen. Ich habe gelernt, dass ein 40-Stunden-Vertrag für mich zu viel sein kann, und dass das Absagen von Terminen bei ersten Anzeichen von Überlastung keine Schwäche ist, sondern eine wichtige Selbstfürsorge-Strategie.“
„Besonders hilfreich war für mich, den neurobiologischen Zusammenhang zwischen meiner ADHS und meinem Lebensstil zu verstehen. Durch regelmäßige Bewegung am Morgen erhöhe ich auf natürliche Weise mein Dopaminniveau, was mir zu besserer Konzentration verhilft. Die Reduktion von Zucker in meiner Ernährung verhindert zudem Blutzuckerschwankungen, die sich bei mir unmittelbar auf meine Fokussierungsfähigkeit auswirken.
Weil ich meine persönlichen Risikofaktoren und Ressourcen erkenne, kann ich ein Leben führen, das trotz – oder vielleicht sogar mit Hilfe – meiner ADHS-Besonderheiten erfüllend und ausgeglichen ist.“
Für Deutschland gilt, dass die Präventionsforschung insgesamt quantitativ und qualitativ zu stärken ist, um die Größenordnung und Langfristigkeit der Effekte zu erhöhen. Dieses Ziel verfolgt das DZPG. Bei der Zielverfolgung sollen unter anderem folgende Fragen geklärt werden: