Psychische Krise - Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit

KRANKHEITSBILD

Psychische Krise

Angst, Schlafstörungen, Hoffnungslosigkeit oder sozialer Rückzug – eine psychische Krise kann viele Gesichter haben. Sie trifft Menschen unabhängig von Alter oder Herkunft und entsteht oft durch belastende Ereignisse wie Verlust, Konflikte oder chronischen Stress. Während einige Krisen mit Unterstützung von Familie und Freunden überwunden werden können, erfordern andere professionelle Hilfe.

Eine psychische Krise* ist keine Krankheit im engeren Sinne. Sie äußert sich durch zahlreiche Symptome, die von akutem emotionalem Stress, Angstzuständen, Schlafproblemen oder Depressionssymptomen bis hin zu psychotischen Episoden reichen können. Besonders bei Kindern können auch Störungen im Sozialverhalten oder Wutanfälle auftreten. Menschen in einer psychischen Krise fühlen sich oft hoffnungslos, überfordert und verlieren ihr inneres Gleichgewicht. Schlafstörungen, extreme Angst, Reizbarkeit, sozialer Rückzug, Verwirrung, Gefühlsausbrüche oder Gedanken an Selbstmord können auftreten.


*  Definition nach ICD. Siehe dazu auch F43.0

Die Ursachen für eine psychische Krise sind vielfältig, dazu zählen akute Belastungen wie der Verlust eines geliebten Menschen, das Erleben von Traumata (etwa ein schwerer Unfall), der Verlust des Arbeitsplatzes, ein Umzug, Mobbing oder schwere Konflikte, aber auch langfristige Faktoren wie chronischer Stress, Einsamkeit oder psychische Störungen von Familienangehörigen.

Unterstützt durch Familie, Freundinnen oder andere Vertrauenspersonen können viele Krisen aus eigener Kraft überwunden werden. Gelingt es jedoch nicht, psychische Krisen in kurzer Zeit zu bewältigen oder spitzen sie sich zu, sollte schnellstmöglich professionelle Hilfe gesucht werden, zum Beispiel von Psychologinnen, Psychotherapeuten, Psychiaterinnen oder anderem geschultem Fachpersonal (z. B. in Beratungsstellen, der Jugendhilfe o. ä.). Akute Maßnahmen können – je nach Schweregrad – Beratung, ambulante oder stationäre Psychotherapie sowie die kurzzeitige Gabe von Beruhigungs- oder Schlafmitteln zur Bekämpfung von Symptomen wie zum Beispiel Schlaflosigkeit umfassen. Eine Krise frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren, ist entscheidend, um sie zu bewältigen und das Wohlbefinden wiederherzustellen. In suizidalen Krisen sind die Gedanken oft stark eingeengt und ein Selbstmord wird dann als einzig möglicher Weg aus der Krise gesehen. Diese Einengung kann zu plötzlichen, unüberlegten Handlungen führen, woraus sich ein hohes Suizidrisiko ergibt. In einer Krise geht es folglich darum: 1) die Krisensituation gut zu verstehen und die Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden einzuschätzen; 2) die Sicherheit der Person zu gewährleisten, unmittelbare Stressoren zu reduzieren, soziale Unterstützung zu aktivieren und angemessene Interventionsschritte zu entwickeln; 3) einen Plan zur Prävention und zum Umgang mit möglichen zukünftigen Krisen aufzustellen.

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Betroffenen-Perspektive

Mein Alltag mit psychischen Krisen

„Lange Zeit habe ich gedacht, ich komme alleine klar. Doch irgendwann wurde alles zu viel. Die Gedanken in meinem Kopf wurden lauter, die Tage schwerer, und ich fühlte mich zunehmend leer und kraftlos. Selbst Dinge, die mir früher Freude gemacht haben, interessierten mich nicht mehr. Ich zog mich zurück, redete mit niemandem darüber – aus Angst, nicht verstanden zu werden.  Ich versuchte, mir einzureden, dass es nur eine Phase ist, dass es schon wieder besser wird und alles nicht so schlimm ist. Doch stattdessen wurde es schlimmer.“

„Irgendwann konnte ich nicht mehr so tun, als wäre alles in Ordnung. Eine Freundin sprach mich an, fragte, ob es mir gut geht. Zum ersten Mal traute ich mich, ehrlich zu sein. Diese Offenheit war der entscheidende Schritt zur Veränderung. Ich suchte Hilfe, zuerst zögerlich, dann Schritt für Schritt.“

„Es war nicht leicht, aber es hat sich gelohnt. Durch Therapie, Gespräche und viele kleine und große Veränderungen im Alltag habe ich nach und nach gelernt, wieder Halt zu finden. Ich habe erkannt, dass ich nicht alleine bin – und dass es ok ist, Hilfe anzunehmen.“

Angehörigen-Perspektive

Mein Alltag mit psychischen Krisen

„Meine Schwester hat die Diagnose bipolare Störung. Die meiste Zeit geht es ihr gut. Doch immer wieder gibt es Zeiten, in denen sie durch belastende äußere Ereignisse und innere hormonelle Umstellungen wie jetzt in den Wechseljahren aus dem Gleichgewicht gerät. Dann stürzt sie in eine tiefe Krise, die ihr ganzes Sein erfasst. Oft beginnt es mit Schlafstörungen, die über Tage anhalten und sie völlig erschöpfen. Sie verliert den Bezug zur Realität. Negatives wird übermächtig, Hoffnung und Zuversicht schwinden. Ohne Hilfe von außen kommt sie aus diesem Teufelskreis dann meist nicht mehr heraus.“

„Meine Schwester braucht in diesen Krisen schnelle professionelle Unterstützung. Ein Klinikaufenthalt, manchmal auch eine engmaschige aufsuchende Behandlung, um die Symptome in den Griff zu bekommen. Das A und O ist aber, dass sie Schlaf findet. Ohne Erholung kann sie aus dem Erschöpfungsstrudel nicht herausfinden.“

„Noch immer sind psychische Probleme ein Tabuthema. Dabei kann grundsätzlich jeder Mensch in eine Krise geraten und dann auf Hilfe angewiesen sein. Wenn wir alle wüssten, wie wir psychische Notfälle erkennen und erste Unterstützung leisten können, dann würde es Betroffenen leichter fallen, sich auch in Ausnahmesituationen nach draußen zu wagen.“

Die anonymisierten Erfahrungsberichte von Betroffenen und Angehörigen wurden über die Partizipations-Gremien des DZPG eingesammelt.

Unterstützung

Wenn Sie Unterstützung suchen, gibt es verschiedene Anlaufstellen:

Fachärztinnen und -ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden Sie über das Suchportal der Bundesregierung: gesund.bund.de/suchen/aerztinnen-und-aerzte

Über Terminservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erhalten Sie Hilfe bei der Suche nach einem Termin für eine Behandlung: eterminservice.de/terminservice

Eine Übersicht und Suchmöglichkeit nach Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (NAKOS):
nakos.de/adressen/datenbanksuche

In akuten Krisen erhalten Sie auch außerhalb der Sprechzeiten schnelle und qualifizierte Hilfe rund um die Uhr über den medizinischen Notdienst (116 117)

Bei unmittelbarer Suizidgefahr rufen Sie bitte sofort den Notruf (112) an. Zögern Sie nicht, wenn Sie selbst oder jemand in Ihrem Umfeld akut gefährdet ist.

Forschungsfragen und -perspektiven am DZPG

Verschiedene strukturell-gesellschaftliche Faktoren begünstigen psychische Krisen, zum Beispiel Finanzkrisen, Pandemien wie Covid-19, Kriege, der Klimawandel und Umweltzerstörung. Am DZPG wird die Frage erforscht, wie solche Einflüsse frühzeitig erkannt und welche psycho-sozialen Unterstützungsmaßnahmen für die Bevölkerung strukturell aufgebaut werden können.

Eine weitere Frage, die das DZPG mit Forschung beantworten will: Wie können individuelle psychische Krisen in relevanten Lebenswelten, zum Beispiel Schule oder Arbeit, erkannt und adressiert werden?

Zudem arbeiten Forschende an der Entwicklung digitaler Gesundheitsapps, die bei der frühzeitigen Krisenerkennung und -bewältigung helfen können.