Angsterkrankungen sind weit verbreitet und gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen weltweit. Hierzu zählen phobische Störungen, die Generalisierte Angststörung (GAS), die Panikstörung, die Agoraphobie, die soziale Angststörung und spezifische Phobien. In Deutschland sind jedes Jahr etwa 9 von 100 Männern und 21 von 100 Frauen* im Alter von 18 bis 79 Jahren von einer Angststörung betroffen.
* Stiftung Gesundheitswissen, Quelle: https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/wissen/angststoerung/hintergrund
Angststörungen* zeigen sich durch anhaltende, übermäßige und oft irrationale Ängste oder Sorgen, die das tägliche Funktionieren beeinträchtigen. Typische Symptome sind intensive Unruhe, übermäßige Besorgnis, Muskelverspannungen, Herzklopfen, Schweißausbrüche, Zittern, Atembeschwerden, Bauchbeschwerden oder Schwindel. Unbehandelt können Angststörungen lange andauern, zudem suchen sich viele Betroffene erst sehr spät Hilfe. Wie schwer die Erkrankung verläuft, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Viele Patientinnen und Patienten erleben symptomarme Zeiten, doch bei fast 50 Prozent der Betroffenen kehren die Beschwerden zurück. Außerdem gehen Angststörungen oft mit anderen psychischen Erkrankungen einher, zum Beispiel Depressionen.
Schwere Lebenskrisen (Traumata), Stress und eine starke berufliche Belastung können das Risiko für eine Angststörung erhöhen. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht verstanden.
Neben psychologischen und psychotherapeutischen Behandlungen werden Medikamente (wie Antidepressiva) und Selbsthilfestrategien eingesetzt, um Angststörungen zu behandeln. Auch eine unterstützende soziale Umgebung und Aufklärung über die Störung tragen zur Bewältigung von Angststörungen bei.
Mehr Informationen zu Angsterkrankungen:
„Angst lähmt. Eine Angsterkrankung schiebt sich zwischen die eigene Person und die Außenwelt und kappt die Verbindungen. Ich fühlte mich, als würde ich fortan um mich selber kreisen: die Aufregung, das Herzrasen, die Panik, ohne noch wirklich mit der Außenwelt in Verbindung treten zu können. Vermeidungs- oder Kompensationsstrategien rauben so viel Energie, dass fast nichts mehr übrig bleibt für das ursprüngliche Vorhaben. Angst isoliert.”
„In meinem Kampf gegen die Angst haben mir zwei langjährige Psychotherapien geholfen, um die Erkrankung besser zu verstehen. Ich bin heute nachsichtiger mit mir, weicher, sorge besser für mich. Je mehr ich mich mit meiner Angst angefreundet habe, desto weicher wurde auch sie in mir und der innere Konflikt hat sich über die Jahre beruhigt.”
„Meine Erfahrung zeigt: Angsterkrankungen sind komplex, aber nicht unüberwindbar. Mit der richtigen Unterstützung, Verständnis und Geduld kann man lernen, achtsam mit sich selbst umzugehen und die Angst zu einem Teil des eigenen Lebens zu machen, statt von ihr beherrscht zu werden.”
„Als Angehöriger erlebt man, dass die Entscheidungsprozesse deutlich komplexer und langdauernder werden. Auf der einen Seite kann das befruchtend wirken. Auf der anderen Seite ist man von den vielen Einwänden genervt. Man versucht dann Entscheidungen zu umgehen oder selbst zu entscheiden, oder man vermeidet Situationen, bei denen man vorher viele Diskussionen führen muss.”
„In Situationen, die der Betroffene als kritisch empfindet, lernt man, dass man nicht dagegen argumentieren kann. Als Angehöriger entwickelt man oft selbst Gefühle der Enge und des Fremdbestimmtseins, da viele Entscheidungen nicht gemeinsam getroffen, sondern durch die Angst des Gegenübers bestimmt werden.”
„Eine besondere Herausforderung sind Situationen, in denen man als Angehöriger selbst unsicher ist oder Angst hat. z.B. Autofahren bei Glatteis. Man wird dann in der eigenen Konzentration durch die Ängstlichkeit der betroffenen Person gestört und ist selbst noch zusätzlich verunsichert.”
Die anonymisierten Erfahrungsberichte von Betroffenen und Angehörigen wurden über die Partizipations-Gremien des DZPG eingesammelt.
Wenn Sie Unterstützung suchen, gibt es verschiedene Anlaufstellen:
Fachärztinnen und -ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden Sie über das Suchportal der Bundesregierung: gesund.bund.de/suchen/aerztinnen-und-aerzte
Über Terminservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erhalten Sie Hilfe bei der Suche nach einem Termin für eine Behandlung: eterminservice.de/terminservice
Eine Übersicht und Suchmöglichkeit nach Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (NAKOS): nakos.de/adressen/datenbanksuche
In akuten Krisen erhalten Sie auch außerhalb der Sprechzeiten schnelle und qualifizierte Hilfe rund um die Uhr über den medizinischen Notdienst (116 117)
Bei unmittelbarer Suizidgefahr rufen Sie bitte sofort den Notruf (112) an. Zögern Sie nicht, wenn Sie selbst oder jemand in Ihrem Umfeld akut gefährdet ist.
Im DZPG wird unter anderem untersucht, welchen Einfluss das Zusammenspiel zwischen körperlichen und psychischen Symptomen bei häufigen körperlichen Erkrankungen (Typ‑II-Diabetes, Übergewicht, Karzinomerkrankungen, Long COVID) auf Angststörungen hat. Die Erkenntnisse sollen zur Verbesserung der Behandlung von Angstsymptomen genutzt werden. Zudem soll die Rolle von Angstsymptomen in der Entstehung von Traumafolgestörungen weiter aufgeklärt werden. Des Weiteren sollen gestufte Versorgungskonzepte für Angststörungen entwickelt werden, die insbesondere die Fragen klären sollen, wann Behandlungen am besten begonnen und wann sie beendet werden sollten.