Die Förderlinie VISIONS unterstützt visionäre Forschung zu neu aufkommenden, gesellschaftlich relevanten Fragestellungen.
Gefördert werden Projekte, die agil auf Entwicklungen mit hoher gesellschaftlicher Relevanz reagieren.
Gefördert werden visionäre Projekte aus drei Hauptforschungsbereichen:
I: Risiko und Resilienz bei psychischer und physischer Gesundheit über die Lebensspanne
II: Innovative, individualisierte Interventionen
III: Prävention, Genesung und Teilhabe im Lebensumfeld
Kontakt: visions@dzpg.org
Kurzbeschreibung
KOMMIT-Kids ist ein vom Trialogischen Zentrumsrat (TZR) initiiertes Projekt. Es folgt dem Vorbild von KOMMIT und internationalen Projekten und gibt Kindern und Jugendlichen (6–17 Jahre) eine Stimme in der Forschung. Als Expertinnen ihrer eigenen Gesundheit und Lebenswelten können sie direkt äußern, welche Forschungsthemen im Bereich psychischer Gesundheit für sie wichtig sind. In einer partizipativen, standortübergreifenden Verbundstruktur werden diese Prioritäten gesammelt und in einem Forschungskompass-Kids dargestellt.
Hauptkoordination
Prof. Dr. Claudia Calvano
claudia.calvano@fu-berlin.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
85 Prozent der Bevölkerung nutzen regelmäßig Social Media. Die Auswirkungen dieser Nutzung auf die mentale Gesundheit sind jedoch weitgehend unverstanden. Studien zeigen komplexe Zusammenhänge, die durch spezifische Nutzungsmuster sowie individuelle Eigenschaften, Kognitionen und Kompetenzen moduliert werden. LIKES erforscht die Auswirkungen von Social Media auf die mentale Gesundheit in allen Altersgruppen. Dabei werden sowohl positive als auch negative Effekte untersucht und die wichtigsten Risikofaktoren identifiziert. Aus diesen Erkenntnissen entstehen wissenschaftlich fundierte, individuell anpassbare Interventionen.
Hauptkoordination
Berlin-Potsdam, Charité – Universitätsmedizin Berlin
ferdinand.hoffmann@charite.de
Verbundprojekt von den Antragsstellenden gemeinsam koordiniert, die Leitung der einzelnen Projekte liegt bei den jeweiligen Standorten.
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Tübingen
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Für die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen werden neue Ansätze benötigt. Dazu gehören eine intensivere Erforschung therapeutischer Prozesse und Veränderungsmechanismen sowie eine stärkere Personalisierung der Behandlung. Bisher sind sowohl die Prozessforschung als auch die Erfassung des Therapieverlaufs (Routine Outcome Monitoring) sowie die dafür erforderlichen Instrumente in der Kinder- und Jugendpsychotherapie unzureichend entwickelt. Das Projekt verfolgt das Ziel, ein transdiagnostisches Core-Prozess-Outcome-Modul für die Kinder- und Jugendpsychotherapie (COPOM-KiJu) zu entwickeln und zu evaluieren. Dieses Modul soll helfen, therapeutische Prozesse besser zu verstehen und Behandlungen wirksamer und individueller zu gestalten.
Mit der Entwicklung des Prozess-Outcome-Moduls wird zugleich ein Beitrag zur Qualitätssicherung in der psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen geleistet.
Hauptkoordination
Dr. Anke de Haan
Anke.deHaan@ruhr-uni-bochum.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
Tübingen
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Menschen, die sozial benachteiligt sind – etwa durch ihre Herkunft, Ausgrenzung oder Diskriminierung – entwickeln häufiger Paranoia. Das bedeutet, dass sie unbegründet glauben, dass andere ihnen schaden wollen. Im schlimmsten Fall kann das zu einer Psychose führen. Bislang fehlen Daten, ob sich die Denkprozesse, die zu Paranoia führen, zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen unterscheiden. In Deutschland leben etwa 22 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Die Frage, wie sich soziale Ausgrenzung auf ihre psychische Gesundheit auswirkt, betrifft also sehr viele Menschen und ist gesellschaftlich hochrelevant. Das Projekt untersucht, wie ethnische Vielfalt, Diskriminierungserfahrungen und bestimmte Denkmuster (sogenannte kognitive Verzerrungen) zusammenwirken und zur Entstehung von Paranoia beitragen können. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse wird eine Behandlungsmethode gegen Paranoia entwickelt, die auf unterschiedliche kulturelle Hintergründe zugeschnitten ist. Diese Methode wird anschließend in einer Studie mit Betroffenen getestet.
Hauptkoordination
Prof. Dr. Mar Rus-Calafell
mar.rus-calafell@ruhr-uni-bochum.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Laufzeit
2025 bis 2027
Kurzbeschreibung
Die Zahl der Frühverrentungen aufgrund psychischer Erkrankungen steigt in Deutschland stetig. Das ist ein großes gesellschaftliches Problem, denn gleichzeitig wird die Bevölkerung älter, die Rentenkassen sind angespannt und es fehlen Fachkräfte. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie häufig psychische Erkrankungen auftreten, wie sie verlaufen und wie man sie besser verhindern kann.
Die Forschenden verbinden zwei Datenquellen: Informationen der Deutschen Rentenversicherung und Daten aus einer digitalen Langzeitbefragung zur psychischen Gesundheit, die am DZPG-Standort Bochum durchgeführt wird. So können sie nachvollziehen, wie sich psychische Probleme bei Jugendlichen und Erwerbstätigen entwickeln und wie hoch das Risiko einer Frühverrentung ist. Auf Basis fundierter Daten sollen verschiedene Zukunftsszenarien erstellt werden: Was bedeuten psychische Erkrankungen für das Berufsleben der Betroffenen? Die Ergebnisse – etwa zu Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und Frühverrentungsrisiken – werden praxisnah aufbereitet und veröffentlicht, damit sie konkret genutzt werden können.
Hauptkoordination
Prof. Dr. Martin Werding (RUB)
martin.werding@ruhr-uni-bochum.de,
Prof. Dr. Peter Falkai (LMU)
Peter.Falkai@med.uni-muenchen.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
München-Augsburg
Laufzeit
2025 bis 2027
Kurzbeschreibung
Viele Menschen erleben in ihrer Kindheit belastende Ereignisse wie Missbrauch, Vernachlässigung oder Gewalt – sogenannte „Adverse Childhood Experiences“ (ACE). Solche Erfahrungen sind der größte Risikofaktor dafür, später im Leben psychisch zu erkranken. Bisher fehlt es aber an einem genauen Verständnis, wie genau diese Kindheitserlebnisse zu psychischen Problemen führen. Es gibt auch keine verlässlichen Marker, mit denen Ärztinnen und Ärzte einschätzen könnten, welche Betroffenen ein besonders hohes Risiko haben.
Das Projekt ist ein wichtiger Schritt zu einer besseren, auf die individuellen Kindheitserlebnisse abgestimmten Behandlung. Die Forschenden untersuchen verschiedene Merkmale von Menschen mit belastenden Kindheitserfahrungen: psychosoziale Faktoren, digitale Daten, Blutwerte und Genaktivität. Damit wollen sie typische Muster (Cluster) erkennen. Diese werden dann mit psychiatrischen Diagnosen, Gehirnscans und dem weiteren Krankheitsverlauf verglichen.
Die gefundenen Marker sollen darauf getestet werden, ob sie sich verändern lassen. Wenn ja, könnten daraus neue Früherkennungsmethoden und gezielte Behandlungsansätze entwickelt werden – passgenau für Menschen mit belastenden Kindheitserlebnissen.
Hauptkoordination
Dr. Lejla Colic
Lejla.Colic@med.uni-jena.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Tübingen
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Beschwerden. Deshalb sind Vorbeugung, einfach zugängliche Hilfsangebote und Wissen über psychische Gesundheit so wichtig. Gesundheits-Apps (mHealth-Apps) können dabei helfen, indem sie personalisierte digitale Unterstützung bieten. Allerdings ist noch unklar, ob solche Apps in großem Umfang eingesetzt werden können und ob sie auch benachteiligte oder gefährdete Gruppen erreichen. Die Forschenden testen, ob eine Gesundheits-App zur Förderung der psychischen Gesundheit in der breiten Bevölkerung funktionieren kann. Dabei untersuchen sie, wie gut sich Nutzerinnen und Nutzer gewinnen lassen, wie regelmäßig sie die App verwenden und wie zufrieden sie damit sind. Auch, ob die App erste positive Wirkungen hervorruft und ob sie von verschiedenen Bevölkerungsgruppen gut angenommen wird, sind Forschungsfragen. Die App wird gemeinsam mit Betroffenen und Nutzenden weiterentwickelt und soll so gestaltet werden, dass sie möglichst viele Menschen nützen kann. Außerdem wird eine offizielle Zertifizierung als digitale Gesundheitsanwendung angestrebt, damit sie im Versorgungssystem eingesetzt werden kann.
Hauptkoordination
Dr. med. Lavinia-Alexandra Steinmann (Standort Halle-Jena-Magdeburg)
Lavinia-Alexandra.Steinmann@med.uni-jena.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter psychischen Problemen, die durch Stress ausgelöst werden. Das zeigt, wie wichtig es ist, besser zu verstehen, warum manche Menschen mit Stress und schwierigen Situationen besser umgehen können als andere. Bisher wissen wir nicht genau, welche seelischen Mechanismen Menschen dabei helfen, mit Belastungen fertig zu werden und gesund zu bleiben.
Das Forschungsteam baut auf früheren Erkenntnissen über Widerstandskraft und Veränderungen im Gehirn auf. Zunächst werden Menschen untersucht, die ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen haben. Dabei soll herausgefunden werden, welche Schutzfaktoren bei verschiedenen Krankheitsbildern eine Rolle spielen. Die Erkenntnisse werden in Tierversuchen weiter untersucht. Anschließend werden Methoden entwickelt und geprüft, mit denen man diese Schutzfaktoren bei Menschen messen kann. Das Ziel ist es, besser zu verstehen, wie Menschen mit Belastungen umgehen und was sie widerstandsfähig macht. Dieses Wissen soll dabei helfen, psychische Erkrankungen besser vorzubeugen und wirksamer zu behandeln.
Hauptkoordination
Standort Halle-Jena-Magdeburg unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU);
Hauptantragstellerinnen:
Dr. Annabell Coors (MLU)
annabell.coors.work@gmx.com
und Dr. Anna Schnell (LIR);
Mitführende Antragstellerin:
Dr. Lisa Hahn (LMU München)
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Depressionen gehören zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Etwa jeder fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens daran. Besonders problematisch: 20 bis 30 Prozent der Betroffenen sprechen auf die üblichen Behandlungen nicht an. Daher werden dringend Tests benötigt, die bei der Diagnose helfen und vorhersagen können, welche Therapie bei wem wirkt. Neuere Forschung zeigt, dass es bei manchen Patienten einen bestimmten Typ von Depression gibt, bei dem Entzündungsprozesse im Gehirn eine Rolle spielen. Bislang lässt sich durch Blutuntersuchungen jedoch nur begrenzt erkennen, was tatsächlich im Gehirn vor sich geht. In diesem Projekt werden erstmals winzige Bläschen (sogenannte extrazelluläre Vesikel) untersucht, die in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit von Patienten mit behandlungsresistenter Depression schwimmen. Diese Bläschen könnten wichtige Informationen über Krankheitsprozesse im Gehirn enthalten. Das Ziel ist es, Marker zu finden, mit denen sich verschiedene Untergruppen von Depressionen unterscheiden lassen. Damit könnte man gezielt die Patienten identifizieren, bei denen Entzündungen im Gehirn eine Rolle spielen – und diese dann mit entzündungshemmenden Medikamenten behandeln.
Hauptkoordination
Priv.-Doz. Dr. med. Alexandra Neyazi
alexandra.ne-yazi@med.ovgu.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Damit Ärzte und Forscher wissen, wie es Patienten wirklich geht, müssen sie diese direkt fragen. Solche Patientenberichte – bei denen Menschen selbst über ihren Gesundheitszustand und ihre Lebensqualität Auskunft geben – sind besonders bei psychischen Erkrankungen sehr wichtig. Allerdings ist es gar nicht so einfach, die richtigen Fragen zu stellen und die Antworten anschließend sinnvoll für die Behandlung zu nutzen. Dieses Projekt möchte die Befragung von Patienten verbessern, damit Forschung und Behandlung im Alltag besser zusammenwirken. Es werden Empfehlungen entwickelt, wie man gute Fragebögen gestaltet und einsetzt – und zwar so, dass sie sowohl für die Patienten verständlich und relevant sind als auch für die Forschung brauchbare Ergebnisse liefern. Dafür werden bestehende Fragebögen genau unter die Lupe genommen: Fragen sie wirklich das, was den Betroffenen wichtig ist? Können sie verbessert werden?
Das Ziel ist, dass die Sichtweise und Erfahrungen der Patienten stärker in die Forschung einfließen und die medizinische Versorgung dadurch besser auf die Bedürfnisse der einzelnen Menschen zugeschnitten wird.
Hauptkoordination
Prof. (apl.) Dr. med. Dr. sc. hum. Patrick Bach
patrick.bach@zi-mannheim.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Laufzeit
2025 bis 2026
Kurzbeschreibung
Manche Kinder haben von Geburt an ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsprobleme – zum Beispiel Geschwister von Kindern mit Entwicklungsstörungen wie Autismus oder Babys, die zu früh geboren wurden. Werden solche Entwicklungsbesonderheiten erst spät bemerkt, erhalten die Kinder oft lange keine passende Unterstützung. Das kann sich negativ auf ihre körperliche und seelische Entwicklung auswirken und langfristige Folgen haben. Vorbeugende Maßnahmen setzen bereits bei den ersten Anzeichen an, noch bevor sich ernsthafte Probleme entwickeln. Sie sollen helfen, die Widerstandskraft der Kinder zu stärken und Entwicklungsstörungen zu verhindern.
In diesem Projekt wird untersucht, ob gezielte Unterstützung und Förderung im Säuglingsalter die Entwicklung von Risikokindern – sowohl von Babys mit erhöhtem Autismus-Risiko als auch von Frühgeborenen – deutlich verbessern kann.
Das Ziel ist es, Früherkennung und frühzeitige Förderung als wirksame Vorbeugungsstrategie zu etablieren. Dafür sollen wissenschaftlich fundierte Methoden entwickelt werden, mit denen man rechtzeitig eingreifen und den Entwicklungsverlauf positiv beeinflussen kann – damit aus kleinen Anfangsschwierigkeiten keine größeren Probleme werden.
Hauptkoordination
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Heidelberg (PI: Dr. Laudanksa, Zuzanna.Laudanska@med.uni-heidelberg.de) Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Heidelberg (Co -PI: Prof. Dr. Dr. Marschik) Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Heidelberg (Co -PI: Prof. Dr. Poustka)
Beteiligte DZPG-Standorte
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Tübingen
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Stress ist ein wichtiger Auslöser für körperliche und seelische Erkrankungen. Im Körper reagiert besonders ein bestimmtes Hormonsystem darauf – die sogenannte Stressachse, die vom Gehirn über die Hirnanhangsdrüse bis zu den Nebennieren reicht. Wie stark jemand auf Stress reagiert, hängt sowohl von den Lebensumständen als auch von den Genen ab. Besonders interessant ist die Frage, wie Kinder und Jugendliche mit Stress umgehen. Wenn man versteht, wie sich ihre Stressverarbeitung entwickelt, kann man früh erkennen, ob sie gut oder schlecht mit Belastungen zurechtkommen – und rechtzeitig gegensteuern. Dieses Projekt untersucht, wie Stresserlebnisse und genetische Veranlagung die Funktion der Stressachse beeinflussen, vor allem während der Pubertät. In dieser Lebensphase verändert sich das Stresssystem ohnehin stark, was Jugendliche anfälliger für Belastungen machen kann. Das Ziel ist herauszufinden, warum frühe Belastungen bei manchen Menschen dazu führen, dass sie später schlecht mit Stress umgehen können. Mit diesem Wissen sollen dann Wege gefunden werden, stressbedingten Erkrankungen vorzubeugen – indem man eingreift, bevor sich ungünstige Muster verfestigen
Hauptkoordination
Svenja Müller
Svenja.Mueller@zi-mannheim.de,
Stephanie Witt,
Michael Deuschle (Standort Mannheim);
Robert Kumsta (Standort Bochum)
Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Künstliche Intelligenz – insbesondere Sprachprogramme, die Texte verstehen und analysieren können – bietet neue Möglichkeiten für die Psychotherapie. Sie könnte dabei helfen, Symptome automatisch zu erkennen oder zu analysieren, welche Elemente einer Therapie besonders wirksam sind. Obwohl es vielversprechende Ansätze gibt, wurde diese Technik im deutschsprachigen Raum bisher kaum systematisch erforscht.
Das Projekt verfolgt zwei Hauptziele: Erstens soll eine umfassende Datenbank mit Sprachdaten aus Psychotherapien aufgebaut werden, die verschiedene Forschungseinrichtungen gemeinsam nutzen können. Zweitens wird untersucht, wie künstliche Intelligenz in drei Bereichen helfen kann:
Damit soll Grundlagenforschung mit praktischer Anwendung verbunden werden: KI-gestützte Werkzeuge sollen die Diagnostik verbessern und dabei helfen, Therapien besser auf den jeweiligen Patienten zuzuschneiden.
Hauptkoordination
Prof. Dr. Gerhard Gründer, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim, Abteilung für Molekulares Neuroimaging
Gerhard.Gruender@zi-mannheim.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Psychische Erkrankungen gehören weltweit zu den größten Gesundheitsproblemen. Bisher fehlen jedoch ausreichend genaue und durchgehende Daten darüber, wie sich die Erkrankungen bei einzelnen Menschen entwickeln und welche Faktoren das Risiko erhöhen. Besonders vielversprechend wäre es, persönliche Einschätzungen der Betroffenen mit Sensordaten (zum Beispiel von Smartphones oder Fitness-Trackern) und sozialen Faktoren zu verbinden. So könnte man psychische Erkrankungen früher erkennen, besser vorbeugen und gezielter behandeln.
Das Projekt SENSED-MH sammelt und verknüpft verschiedene Datenquellen:
Durch die Kombination verschiedener Informationsquellen entsteht ein umfassendes Bild der psychischen Gesundheit. So lassen sich Risikofaktoren und Schutzfaktoren besser identifizieren. Die Erkenntnisse sollen dann direkt in digitale Programme einfließen, mit denen man viele Menschen erreichen kann – etwa für Früherkennung oder Vorbeugung. Ziel ist es, neue, alltagstaugliche Ansätze zu entwickeln, die psychische Erkrankungen individuell auf die jeweilige Person zugeschnitten verhindern oder behandeln können.
Hauptkoordination
Dr. Yannik Terhorst
Yannik.Terhorst@psy.lmu.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Tübingen
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Seit Jahrzehnten werden psychotische Erkrankungen wie Schizophrenie mit Medikamenten behandelt, die auf den Botenstoff Dopamin im Gehirn wirken. Doch diese Antipsychotika helfen oft nicht ausreichend und verursachen häufig starke Nebenwirkungen. Deshalb werden dringend neue Wirkstoffe benötigt, die nach einem anderen Prinzip funktionieren.
Bevor neue Medikamente an Menschen getestet werden dürfen, müssen sie meist erst in Tierversuchen untersucht werden. Die Ergebnisse aus Tierstudien lassen sich jedoch oft nicht auf den Menschen übertragen.
Dieses Projekt will systematisch untersuchen, wie aussagekräftig Tierversuche sind, wenn es um die Wirksamkeit von Antipsychotika geht. Durch eine umfassende Analyse zahlreicher Studien soll herausgefunden werden, unter welchen Bedingungen Tierversuchsergebnisse zuverlässig auf klinische Studien übertragbar sind.
Das Ziel ist, einen wissenschaftlichen Rahmen zu schaffen, der dabei hilft, bessere Entscheidungen zu treffen: Welche Wirkstoffkandidaten aus Tierversuchen sollten tatsächlich am Menschen getestet werden? So soll die Entwicklung neuartiger und wirksamerer Antipsychotika beschleunigt und verbessert werden.
Hauptkoordination
Technische Universität München, DZPG -Standort München- Augsburg, Spyridon Siafis
spyridon.siafis@tum.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Tübingen
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Psychotische Erkrankungen wie Schizophrenie sind noch immer sehr schwer zu erkennen, und vorherzusagen, wie sie verlaufen werden, ist schwierig. Zwar kennt man inzwischen viele Erbanlagen, die das Risiko für solche Erkrankungen erhöhen. Was jedoch fehlt, sind verlässliche Vorhersagemodelle, die diese genetischen Informationen mit klinischen Beobachtungen und Gehirnbefunden kombinieren. Solche Modelle könnten dabei helfen, Vorbeugung und Behandlung individuell auf jeden Menschen zuzuschneiden und rechtzeitig einzugreifen.
Das Projekt untersucht genetische Untergruppen, die durch die Analyse von Risikogenen identifiziert werden. Vereinfacht gesagt: Menschen mit ähnlichen genetischen Risikomustern werden zusammengefasst.
Dann wird geprüft, ob diese genetischen Gruppen tatsächlich dabei helfen können vorherzusagen, wie die Erkrankung bei Risikopersonen verlaufen wird. Außerdem soll erforscht werden, wie man diese genetischen Informationen am besten mit anderen Daten – etwa aus ärztlichen Untersuchungen oder Gehirnscans – verbinden kann.
Wichtig dabei: Menschen mit eigener Erkrankungserfahrung werden einbezogen, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse auch in der Praxis anwendbar sind.
Langfristig sollen so Marker entwickelt werden, mit denen man besser vorhersagen kann, wer erkranken wird – und Ärzte bei ihren Entscheidungen zur personalisierten Vorbeugung und Behandlung unterstützt werden.
Hauptkoordination
Max-Planck-Institut für Psychiatrie, DZPG Standort München-Augsburg, Ariane Christin Wiegand
Ariane.Wiegand@med.uni-muenchen.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Bei manchen Menschen mit Depression schlagen herkömmliche Behandlungen nicht an – man spricht dann von therapieresistenter Depression. Das ist eine große Herausforderung für Betroffene und Ärzte. Ein Hauptproblem bei der Entwicklung neuer, personalisierter Therapien: Man kann nicht einfach Gewebeproben aus dem Gehirn entnehmen, um zu verstehen, was bei der jeweiligen Person im Körper falsch läuft. Stammzellmodelle bieten hier einen innovativen Ausweg – mit ihnen lassen sich individuelle Krankheitsmechanismen im Labor untersuchen.
In diesem Projekt werden aus Zellen von Patienten mit therapieresistenter Depression Stammzellen gewonnen und daraus im Labor Nervengewebe hergestellt. An diesem patienteneigenen Modell können dann verschiedene alternative Behandlungsmöglichkeiten getestet werden – und zwar bevor man sie am Patienten selbst ausprobiert.
So lässt sich herausfinden, welche Therapie bei welchem Menschen am ehesten wirken wird. Das Ziel ist, Marker zu identifizieren, die vorhersagen, welche Behandlung für wen geeignet ist. Langfristig sollen Patienten dadurch besser in Gruppen eingeteilt und gezielter behandelt werden können – sodass jeder die Therapie bekommt, die bei ihm tatsächlich wirkt.
Hauptkoordination
Dr. Sebastian Schmidt
sebastian.schmidt@helmholtz-munich.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Die Depression ist eine psychische Erkrankung, bei der Rückfälle sehr häufig auftreten – viele Betroffene werden nach einer erfolgreichen Behandlung erneut krank. Eine wirksame und gut verträgliche Therapiemethode für schwere, behandlungsresistente Depressionen ist die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS). Dabei werden bestimmte Gehirnbereiche von außen durch das Schädelknochen hindurch mit Magnetfeldern stimuliert. Was bisher jedoch fehlt, sind gesicherte Erkenntnisse darüber, wie man Rückfälle durch fortlaufende rTMS-Behandlungen am besten verhindern kann.
Dieses Projekt vergleicht zwei verschiedene Behandlungspläne für die Erhaltungstherapie mit rTMS – also die Fortsetzung der Behandlung nach der ersten erfolgreichen Therapie, um Rückfälle zu vermeiden. Dabei wird untersucht, welches Behandlungsschema wirksamer ist und wie sich die Therapie auf klinische Symptome sowie auf messbare Veränderungen im Gehirn auswirkt.
Aus den Ergebnissen sollen konkrete Empfehlungen entwickelt werden, wie Erhaltungstherapien mit rTMS am besten durchgeführt werden sollten. Zusätzlich ermöglichen die umfangreichen Gehirnbilddaten, die dabei gesammelt werden, ein besseres Verständnis darüber, wie rTMS überhaupt im Gehirn wirkt.
Hauptkoordination
Severin Schramm
severin.schramm@tum.de
Beteiligte DZPG-Standorte
München-Augsburg
Tübingen
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Geschlecht und geschlechtliche Identität spielen eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung – auch bei Essstörungen. Lange Zeit wurden Essstörungen hauptsächlich bei Frauen diagnostiziert. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass auch immer mehr Männer und Menschen aus sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten (LGBTQIA+) betroffen sind. Gerade diese Gruppen erleben häufig besonders starke Stigmatisierung und Vorurteile im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung.
Das Projekt MASC-ED untersucht erstmals systematisch, wie sich Essstörungen bei verschiedenen Geschlechtern und geschlechtlichen Identitäten unterschiedlich zeigen und entwickeln. Dabei sollen Risikofaktoren und Symptome aufgedeckt werden, die bisher übersehen wurden, weil sich die Forschung hauptsächlich auf Frauen konzentriert hat.
Auf dieser Grundlage soll ein Krankheitsbild entwickelt werden, das alle Geschlechter und geschlechtliche Vielfalt berücksichtigt. Außerdem sollen daraus personalisierte Behandlungs- und Vorbeugungsansätze entstehen, die auf die spezifischen Mechanismen und Bedürfnisse der verschiedenen Gruppen zugeschnitten sind – damit alle Betroffenen die Unterstützung bekommen, die sie wirklich brauchen.
Hauptkoordination
Dr. rer. nat. Kathrin Schag
kathrin.schag@med.uni-tuebingen.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Tübingen
Laufzeit
2025 bis 2027
Kurzbeschreibung
Depressive Symptome treten bei vielen psychischen Erkrankungen auf und gehören zu den größten Herausforderungen in der Psychiatrie. Sie schränken die Lebensqualität der Betroffenen massiv ein. Viele Behandlungsansätze zielen darauf ab, fehlerhafte Aktivitätsmuster im Gehirn zu normalisieren. Das Problem: Solche Therapien sind für viele Betroffene entweder gar nicht oder nur schwer zugänglich – etwa, weil es zu wenige Therapieplätze gibt oder die Anfahrtswege zu weit sind.
Dieses Projekt baut auf bisherigen Forschungen zu Trainings auf, die die geistige Kontrolle und Steuerung verbessern sollen. Nun soll dieses Training in einer Online-Studie untersucht werden, damit es praktisch in der Therapie eingesetzt werden kann.
Konkret wird geprüft, ob das Training tatsächlich wirkt und bei wem es am besten anschlägt. Ziel ist es herauszufinden, anhand welcher individuellen Merkmale man vorhersagen kann, wer von dem Training profitiert.
Gleichzeitig soll eine digitale Infrastruktur aufgebaut werden, mit der solche kognitiv-verhaltenstherapeutischen Trainingsprogramme vollständig online klinisch getestet werden können – ein wichtiger Schritt, um mehr Menschen Zugang zu wirksamen Behandlungen zu ermöglichen.
Hauptkoordination
Simone Weller
simone.weller@uni-tuebingen.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Tübingen
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Ein vielversprechender Therapieansatz bei Suchterkrankungen und Essstörungen ist die sogenannte Reizkonfrontation mit virtueller Realität (VR). Dabei werden Betroffene in einer computergenerierten, dreidimensionalen Umgebung mit Situationen konfrontiert, die normalerweise ihr problematisches Verhalten auslösen – zum Beispiel eine Bar für Menschen mit Alkoholproblem oder ein Buffet bei Essstörungen. So können sie in einer sicheren Umgebung lernen, besser mit diesen Reizen umzugehen.
Bisher fehlen belastbare wissenschaftliche Belege dafür, wie gut diese VR-Therapie tatsächlich wirkt, wie sie am besten eingesetzt werden sollte und bei welchen Menschen sie besonders gut funktioniert.
Dieses Projekt soll herausfinden, ob VR-gestützte Reizkonfrontation in der Psychotherapie tatsächlich Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden bringt. Außerdem wird untersucht, welche technischen Faktoren (etwa Qualität der VR-Szenarien) und welche persönlichen Merkmale der Patienten den Therapieerfolg beeinflussen.
Die Ergebnisse sollen dabei helfen zu entscheiden, ob die gesetzliche Krankenversicherung VR-Therapie bezahlen sollte und ob diese Behandlungsmethode in offizielle Behandlungsrichtlinien aufgenommen wird. Damit würde VR-Therapie für mehr Betroffene zugänglich.
Hauptkoordination
Simone Behrens
Simone.Behrens@med.uni-tuebingen.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Tübingen
Laufzeit
2025 bis 2028
Kurzbeschreibung
Viele Menschen mit Depressionen sprechen auf gängige Behandlungen nur unzureichend an. Das Projekt BreathDep untersucht, ob gezielte Atemübungen, sogenanntes hochventilatorisches Breathwork, bei Depressionen wirksam sind und welche neurobiologischen Mechanismen dem zugrunde liegen. Hochventilatorisches Breathwork erzeugt durch intensive Atemtechniken veränderte Bewusstseinszustände, ähnlich wie es bei psychedelischen Therapien beschrieben wird, jedoch ganz ohne Substanzen. Erste Studien deuten darauf hin, dass solche Atemübungen Stimmung, Stressbewältigung und die Anpassungsfähigkeit des Gehirns positiv beeinflussen können. BreathDep will das nun erstmals wissenschaftlich sorgfältig prüfen: In einer großangelegten Studie an fünf deutschen Standorten erhalten Menschen mit mittelschwerer Depression über sechs Wochen eine Kombination aus Einzelgesprächen mit einem Therapeuten und drei Gruppeneinheiten mit Breathwork-Übungen. Ziel des Projekts ist, einen wirkungsvollen, nebenwirkungsarmen Therapieansatz zu entwickeln, der Körper und Psyche gleichermaßen einbezieht.
Hauptkoordination
Dr. Barbara Breitenstein
barbara.breitenstein@hu-berlin.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2029
Kurzbeschreibung
Nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Klinik ist der Übergang zurück in die ambulante Versorgung oft schwierig. Viele Patienten erleben in dieser Phase Lücken in der Betreuung. Denn oft fehlen Anschlussangebote, Termine sind schwer zu bekommen oder Unterstützung kommt zu spät. Das Projekt CommunityBlends untersucht, wie dieser Übergang besser begleitet werden kann. Im Mittelpunkt steht Peer-Support: Dabei unterstützen Menschen mit eigener Erfahrung mit psychischen Krisen andere Betroffene. Ergänzt werden soll diese Hilfe durch Blended-Care-Angebote, also eine Verbindung aus persönlicher Begleitung und digitalen oder ortsunabhängigen Unterstützungsformaten. Das Projekt erforscht, welche Angebote Patienten wirklich brauchen, welche Inhalte hilfreich sind und wie solche Modelle in Stadt und Land funktionieren können. Dafür werden Interviews, Fokusgruppen und Befragungen mit Patienten, Erfahrungs- und Versorgungsexperten durchgeführt. Ziel ist es, Modelle zu entwickeln, die sich langfristig in die Regelversorgung übertragen lassen.
Hauptkoordination
Prof. Dr. Maria Böttche
maria.boettche@fu-berlin.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2028
Kurzbeschreibung
Trans* und genderdiverse Menschen erleben häufig Diskriminierung, auch im Gesundheitswesen. Diese Erfahrungen können zu erheblichem Stress führen und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen. Bisher ist noch wenig erforscht, wie sich dieser sogenannte Minderheitenstress psychisch, sozial und biologisch auswirkt und welche Unterstützungsangebote besonders hilfreich sind.
Das Projekt TRANSConnect entwickelt gemeinsam mit Betroffenen eine Gruppenintervention, die die psychische Gesundheit und soziale Resilienz von trans* und genderdiversen Personen stärken soll. Dabei werden verhaltenstherapeutische Ansätze mit digitalen Methoden verbunden. Zunächst werden Bedarfe, Barrieren und Erfolgsfaktoren erhoben. Anschließend wird die Gruppenintervention erprobt und auf Machbarkeit und Akzeptanz geprüft. Ergänzend werden Fragebögen, Interviews, Fokusgruppen, Wearables und biologische Marker eingesetzt. Ziel ist ein praxistaugliches Manual, das später in größeren Studien geprüft und in Versorgung, Ausbildung und klinische Praxis übertragen werden kann.
Hauptkoordination
Dr. Pichit Buspavanich
pichit.buspavanich@charite.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2028
Kurzbeschreibung
Psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu, werden aber oft zu spät erkannt. Schulen bieten einen zentralen Zugang zur Gesundheitsförderung. Es fehlt jedoch ein niedrigschwelliges Monitoring des Wohlbefindens, das psychische und somatische Aspekte integriert. Hier setzt das Projekt BE-WELL an, das als Brückenprojekt zwischen dem DZPG und dem Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) angelegt ist. Es verknüpft Forschung, Prävention und Bildung.
In Zusammenarbeit mit Jugendlichen und Fachkräften soll ein digitales Monitoring-Tool entwickelt werden, das das Wohlbefinden von Jugendlichen erfasst. Belastungs- und Schutzfaktoren für die psychische und somatische Gesundheit werden anschließend in einem Dashboard visualisiert. Über eine Verknüpfung mit der DZPG-Plattform GUSTAPH können zudem evidenzbasierte Handlungsempfehlungen entwickelt und abgerufen werden. Der modulare Aufbau des Systems ermöglicht flexible Anpassungen.
Hauptkoordination
Dr. Martina Dort
martina.dort@uni-marburg.de
PD Dr. Telse Nagler
t.nagler@dipf.de
Dr. Josefine Rothe
josefine.rothe@ukdd.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
Laufzeit
2026 bis 2029
Kurzbeschreibung
Die psychische Gesundheit von Kindern prägt die spätere Erwachsenengesundheit. Mitarbeitenden an Grundschulen fehlt es jedoch häufig an Wissen, um die psychische Gesundheit der Schülerinnen und Schüler zu fördern und Belastungen zu erkennen. In diesem Projekt geht es insbesondere um die psychische Gesundheitskompetenz der Mitarbeitenden in der Offenen Ganztagsbetreuung und Integration. Eine erste Voranalyse am Standort Bochum-Marburg hat gezeigt, dass zwei Drittel der Mitarbeitenden in diesen Bereichen keine pädagogische Vorbildung haben.
Das Projekt LEGUAN geht in zwei Schritten vor. Zunächst wird erfasst, wie es um die psychische Gesundheitskompetenz des Betreuungs- und Integrationspersonals bestellt ist (Ost/West, Stadt/Land). Dabei werden explizit auch Wünsche und Bedarfe der Mitarbeitenden abgefragt. Im zweiten Schritt geht es um die Entwicklung und Anpassung einer praxistauglichen Fortbildung zur psychischen Gesundheitskompetenz. Sie kann an allen DZPG-Standorten zum Einsatz kommen.
Hauptkoordination
Dr. Lukka Popp
lukka.popp@rub.de
Dr. Babett Voigt
babett.voigt@rub.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2029
Kurzbeschreibung
Depressionen gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen für Einschränkungen im Alltag. Obwohl es wirksame Behandlungen gibt, erreichen viele Patienten keine vollständige Besserung. Besonders bei therapieresistenter Depression braucht es neue Ansätze, die stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen zugeschnitten sind.
Das Projekt POSIDONIA untersucht, ob eine personalisierte modulare Psychotherapie wirksamer ist als Verhaltensaktivierung, ein etabliertes Verfahren in der Depressionsbehandlung. An der Studie nehmen 250 Erwachsene mit therapieresistenter Depression teil. Sie erhalten über sechs Wochen zwölf Einzelsitzungen – entweder personalisierte Psychotherapie oder Verhaltensaktivierung. Die Studie ist randomisiert-kontrolliert und nutzt ein adaptives Studiendesign. Zugleich soll eine skalierbare klinische Trial-Infrastruktur an allen sechs DZPG-Standorten etabliert werden, die in die EU-PEARLDIVER-Plattformstudie integriert wird.
Hauptkoordination
Prof. Dr. Michael Witthöft
michael.witthoeft@ruhr-uni-bochum.de
Dr. Gabriel Bonnin
gabriel.bonnin@ruhr-uni-bochum.de
Prof. Dr. Sabine Herpertz
sabine.herpertz@med.uni-heidelberg.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2028
Kurzbeschreibung
Veränderungen im Dopaminsystem spielen bei depressiven Symptomen und veränderter Belohnungssensitivität eine wichtige Rolle. Bislang lassen sich solche Veränderungen in der klinischen Routine jedoch nicht individuell und ohne Strahlenbelastung messen. Das Projekt DopaDys-MRI will deshalb MRT-basierte Biomarker entwickeln, die Hinweise auf dopaminerge Dysregulation geben können.
Dafür werden zunächst vorhandene MRT- und PET-Daten gemeinsam ausgewertet, um MRT-Marker mit PET-Referenzdaten abzugleichen. Anschließend werden die Marker in einer neuen multizentrischen fMRT-Studie mit 128 Personen geprüft. Untersucht wird, ob die Marker stabil, standortübergreifend robust und für verschiedene Gruppen aussagekräftig sind. Langfristig könnten solche Biomarker helfen, Risiken früher zu erkennen, Behandlungen genauer auszuwählen und Krankheitsverläufe besser zu beurteilen. Erfahrungsexperten werden einbezogen, damit die Ergebnisse verständlich und praxisnah aufbereitet werden.
Hauptkoordination
Dr. Alexander Weuthen
Alexander.Weuthen@med.uni-jena.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2029
Kurzbeschreibung
Selbsthilfegruppen können Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihre Angehörigen im Genesungsprozess unterstützen. Sie bieten Austausch, Orientierung und niedrigschwellige Hilfe. Gleichzeitig ist wissenschaftlich noch zu wenig gesichert, wann Selbsthilfegruppen besonders wirksam sind, was ihr Gelingen fördert und welche Hindernisse bestehen – gerade für vulnerable Gruppen wie Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen oder Migrationserfahrung.
Das Projekt EMPOWER wurde trialogisch entwickelt und wird gemeinsam von Erfahrungsexperten und Forschenden getragen. Es untersucht die Wirksamkeit und Gelingensbedingungen von Selbsthilfegruppen. Geplant sind ein systematischer Überblick über vorhandene Studien, eine bundesweite Befragung von Menschen mit Selbsthilfeerfahrung, die Entwicklung eines praxisnahen Werkzeugkastens sowie eine Machbarkeitsstudie an vier Standorten. Ziel ist es, Selbsthilfegruppen wissenschaftlich besser zu fundieren und langfristig stärker in Leitlinien und Versorgungspfade einzubinden.
Hauptkoordination
PD Dr. med. Hauke Felix Wiegand
hauke.wiegand@uk-halle.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2029
Kurzbeschreibung
Die prämenstruelle dysphorische Störung ist eine schwere Form zyklusabhängiger Beschwerden. Sie betrifft einen Teil der Frauen im gebärfähigen Alter und kann mit erheblicher psychischer Belastung bis hin zu erhöhter Suizidalität verbunden sein. Bestehende Behandlungen, etwa bestimmte Antidepressiva oder hormonelle Therapien, helfen nicht allen Betroffenen oder werden nicht gut vertragen.
Das Projekt EVA-Stim prüft, ob die transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation eine sichere und wirksame Alternative sein kann. Dabei wird der Vagusnerv über das Ohr nicht-invasiv stimuliert. In der Studie absolvieren Probandinnen über drei Zyklen ein Home-Treatment. Verglichen werden echte Vagusnervstimulation, Schein-Stimulation und langsames Atmen. Untersucht werden die Veränderung der Symptomschwere sowie psychologische, biologische und neurophysiologische Parameter. Ziel ist es, eine alltagsnahe, nicht-medikamentöse Behandlungsoption wissenschaftlich zu prüfen.
Hauptkoordination
Dr. Maria Kühne
maria.kuehne@med.ovgu.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München_Augsburg
Laufzeit
2026 bis 2028
Kurzbeschreibung
Digitale Technologien können helfen, psychische Belastungen früher zu erkennen und Unterstützung passgenauer anzubieten. Bisher fehlt dem DZPG jedoch ein flexibles, kosteneffizientes digitales Rahmenwerk, das Datenerhebung und Interventionen miteinander verbindet und in verschiedenen Projekten eingesetzt werden kann.
EMERGE-MH baut auf dem Projekt SENSED-MH auf und erweitert bestehende App-Funktionen. Dazu gehören Befragungen im Alltag, digitale Selbstauskünfte, Mobile Sensing, App-basierte kognitive Tests und digitale Interventionsmodule. Ein besonderer Fokus liegt auf Just-in-Time Adaptive Interventions: Unterstützungsangebote sollen genau dann bereitgestellt werden, wenn sie gebraucht werden. Entwickelt wird das Rahmenwerk gemeinsam mit Erfahrungsexperten, Forschenden, Klinikerinnen und Vertretern der Zielgruppe. In einer Machbarkeitsstudie mit 100 Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird geprüft, ob eine solche App akzeptiert, sicher und praktikabel ist.
Hauptkoordination
Dr. Christian Rauschenberg
Christian.Rauschenberg@zi-mannheim.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Laufzeit
2026 bis 2028
Kurzbeschreibung
Psychische Erkrankungen haben häufig auch genetische Anteile. Viele genetische Risikofaktoren überschneiden sich über verschiedene Diagnosen hinweg. Um Präzisionspsychiatrie weiterzuentwickeln, braucht es Datensätze, die genetische Informationen mit klinischen Daten verbinden.
Das Projekt GEN-ZI baut eine hochwertige Genotyp-Phänotyp-Ressource auf. Dafür werden Daten von 1.000 Patienten des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit genutzt, die einer breiten wissenschaftlichen Verwendung zugestimmt haben. Als erster Anwendungsfall wird das genetische Risiko für Borderline-Persönlichkeitsstörungen untersucht. Dafür werden DNA-Proben genotypisiert, klinische Daten aufbereitet und sogenannte polygene Scores berechnet. Diese zeigen, wie stark bestimmte genetische Risikomuster ausgeprägt sind. Ziel ist es, genetische Prädiktoren künftig besser in klinische Modelle zu integrieren und standortübergreifende Analysen im DZPG zu ermöglichen.
Hauptkoordination
Dr. Fabian Streit
fabian.streit@zi-mannheim.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2028
Kurzbeschreibung
Aufenthalte in der Natur können Stimmung, Stressregulation und psychische Gesundheit positiv beeinflussen. Noch unklar ist, welche Rolle Mikroorganismen aus natürlichen Umgebungen dabei spielen. Das Projekt METAPSY untersucht, ob und wie Umweltmikroben auf das menschliche Mikrobiom übertragen werden und ob dies mit psychischem Wohlbefinden, Verhalten und biologischen Veränderungen zusammenhängt.
In einer Feldstudie verbringen 30 gesunde Erwachsene jeweils eine Woche auf einem ökologischen Bauernhof. Vor und nach dem Aufenthalt sowie während der Woche werden verschiedene Daten erhoben: psychologische Angaben im Alltag, Smartwatch-Daten, Social Sensing (systematische Auswertung der digitalen Kommunikation), Mikrobiom- und Epigenomdaten sowie fMRT-Daten zur Emotionsregulation. Ziel ist es, erstmals systematisch zu prüfen, ob Naturkontakte über mikrobielle und epigenetische Mechanismen psychische Prozesse beeinflussen können. Das Projekt schafft Grundlagen für naturbasierte Präventions- und Therapieansätze.
Hauptkoordination
Dr. Urs Braun
urs.braun@zi-mannheim.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2029
Kurzbeschreibung
Kinder von Eltern mit psychischen Erkrankungen oder belastenden Kindheitserfahrungen haben ein erhöhtes Risiko, selbst psychische Probleme zu entwickeln. Noch ist wenig darüber bekannt, welche Mechanismen diese Weitergabe von Belastungen begünstigen. Eine wichtige Rolle könnte das sogenannte elterliche Mentalisieren spielen: die Fähigkeit, Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen und zu verstehen. Unter akutem Stress kann diese Fähigkeit beeinträchtigt sein.
Das Projekt MIND untersucht, wie Stress das elterliche Mentalisieren beeinflusst. Einbezogen werden 110 Mütter und Väter mit häufigen psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen sowie Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. An zwei DZPG-Standorten werden fMRT-Untersuchungen, Eltern-Kind-Interaktionen und biologische Stressmarker wie Haarcortisol analysiert. Die Ergebnisse sollen helfen, Programme zu entwickeln, die Eltern stärken und die Weitergabe psychischer Belastungen zwischen Generationen verringern.
Hauptkoordination
Dr. Corinne Neukel
corinne.neukel@med.uni-heidelberg.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2028
Kurzbeschreibung
Viele störungsspezifische Psychotherapien führen nur bei einem Teil der Patienten zu einer deutlichen Besserung. Ein Grund ist, dass psychische Erkrankungen sehr unterschiedlich verlaufen und häufig mehrere Belastungen gleichzeitig auftreten. Das Projekt NBMP-MRT untersucht deshalb einen personalisierten, transdiagnostischen Therapieansatz für stationäre Patienten.
Vor der Behandlung werden individuelle Belastungsmuster im Alltag erfasst, unter anderem über digitale Befragungen. Mithilfe von Netzwerkanalysen werden Faktoren identifiziert, die Beschwerden aufrechterhalten. Während der achtwöchigen stationären Behandlung werden darauf abgestimmte digitale Mikrointerventionen eingesetzt. Diese sollen genau zu den jeweiligen Störungsprozessen passen und die konventionelle Behandlung ergänzen. Anschließend folgt eine ambulante Nachsorge im Sinne eines Blended-Care-Ansatzes. Ziel ist es zu prüfen, ob personalisierte Module gezielt wirken und wie sie sich in die klinische Versorgung übertragen lassen.
Hauptkoordination
Dr. Florian Bähner
florian.baehner@zi-mannheim.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Laufzeit
2026 bis 2028
Kurzbeschreibung
Polizeibeamte treffen in Einsätzen häufig auf Menschen mit psychischen Erkrankungen oder in akuten Krisen. Viele fühlen sich auf solche Situationen nicht ausreichend vorbereitet. Fehlendes Wissen und Vorurteile können dazu beitragen, dass Einsätze eskalieren oder für Betroffene und Einsatzkräfte belastend werden.
Das Projekt ASPiK knüpft an ein bestehendes Seminar von „BASTA – Bündnis für psychisch erkrankte Menschen e.V." an. Gemeinsam mit BASTA wird das Anti-Stigma-Polizeiprojekt überarbeitet und aktualisiert. In den Seminaren begegnen Polizeischülerinnen und Polizeischüler einem Team aus Erfahrungsexperten, Angehörigen und Fachkräften. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, Wissen zu vermitteln und den Umgang mit psychisch erkrankten Menschen in Krisensituationen zu verbessern. In einer Vorher-Nachher-Studie wird geprüft, ob das Seminar Einstellungen und Wissen verändert. Bei Erfolg könnte das Modell auch in anderen Bundesländern eingesetzt werden.
Hauptkoordination
Prof. Dr. Stefan Leucht
stefan.leucht@tum.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
München-Augsburg
Laufzeit
2026 bis 2027
Kurzbeschreibung
Leitlinien zur Behandlung von Schizophrenie sollen wissenschaftlich fundiert sein und zugleich Erfahrungen aus der klinischen Praxis berücksichtigen. Das Projekt BRIDGE-Illuminatum untersucht, wie solche Praxiserfahrungen systematisch in die Weiterentwicklung von Leitlinien einfließen können.
Grundlage ist Illuminatum.com, eine interaktive Plattform mit Empfehlungen zu Schizophrenie. Klinikerinnen, Kliniker und Erfahrungsexperten können dort rückmelden, wie Empfehlungen im Alltag angewendet oder angepasst werden. In einer internationalen Online-Studie werden Erfahrungen von Psychiatern, Forschenden und Erfahrungsexperten gesammelt. Daraus sollen besonders relevante Empfehlungen und praktische Umsetzungshinweise abgeleitet werden. Zusätzlich wird künstliche Intelligenz genutzt, um die Ergebnisse zielgruppengerecht aufzubereiten – fachlich für Kliniker und verständlicher für Erfahrungsexperten. In einer Pilotstudie wird geprüft, ob KI-gestützte Leitlinien die Verständlichkeit und Entscheidungssicherheit verbessern. Ziel ist eine Brücke zwischen Praxiswissen und S3-Leitlinienentwicklung.
Hauptkoordination
Dr. Alessandro Rodolico
alessandro.rodolico@tum.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
München-Augsburg
Laufzeit
2026 bis 2027
Kurzbeschreibung
Für Schizophrenie-Spektrum-Störungen wird häufig die PANSS-Skala verwendet. Studien zeigen jedoch, dass sie wichtige Symptombereiche nicht ausreichend abbildet und methodische Schwächen hat. Außerdem wurden Betroffene bei ihrer Entwicklung nicht angemessen einbezogen. Das Projekt SCALE-S entwickelt deshalb eine neue Goldstandard-Skala zur Beurteilung von Schizophrenie-Spektrum-Störungen.
Daran arbeiten Fachleute aus Psychiatrie, Psychologie, Statistik, Skalenentwicklung sowie Erfahrungsexperten und Angehörige mit. Zunächst werden vorhandene Daten, bestehende Skalen und Studien zu besonders relevanten Symptomen ausgewertet. Daraus entsteht ein erster Item-Pool, der gemeinsam mit Experten und Betroffenen schrittweise reduziert und verbessert wird. Anschließend wird die neue Skala in einer Studie mit 300 Patienten an drei DZPG-Standorten validiert. Ziel ist eine frei zugängliche Papier- und Digitalversion auf Deutsch und Englisch. Eine bessere Skala kann Forschung, Diagnostik und Behandlung deutlich verbessern.
Hauptkoordination
Prof. Dr. Stefan Leucht
stefan.leucht@tum.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Laufzeit
2026 bis 2028
Kurzbeschreibung
Junge Erwachsene sind zunehmend psychisch belastet. Besonders der Studienbeginn ist eine sensible Phase, in der viele erstmals mit Leistungsdruck, neuen sozialen Anforderungen und Selbstorganisation konfrontiert sind. Gleichzeitig ist der Zugang zu früher Unterstützung oft begrenzt. UNIty entwickelt deshalb ein digitales Präventionsmodell für Studierende.
Über eine Monitoring-App werden Belastungen frühzeitig erfasst. Dabei kommen kurze Alltagsbefragungen, Sprachaufnahmen und Bewegungsdaten zum Einsatz. Mithilfe von Machine Learning sollen individuelle Belastungsprofile erkannt und zurückgemeldet werden. Wenn relevante Belastungen auftreten, können Studierende in eine von zwei Unterstützungsformen vermittelt werden: eine LLM-basierte Chatbot-Intervention oder ein Buddy-Programm zur sozialen Unterstützung. Deutschlandweit sollen 1.000 Studierende teilnehmen. Ziel ist ein skalierbares Modell, das Forschung, Prävention und Versorgung verbindet und digitale Hilfe für junge Menschen evidenzbasiert weiterentwickelt.
Hauptkoordination
Dr. Lennart Seizer
lennart.seizer@med.uni-tuebingen.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
München-Augsburg
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2029
Kurzbeschreibung
Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, leisten viel für Familien, Gesellschaft und Gesundheitssystem. Gleichzeitig sind sie häufig stark belastet. Diese Belastungen können sich auf die psychische Gesundheit auswirken, werden aber in Forschung und Versorgung oft zu wenig berücksichtigt. Damit langfristige Folgen für pflegende Angehörige und ihre Familien vermieden werden, braucht es gut erreichbare und hochwertige Unterstützung.
Das Projekt Inno:Care untersucht die psychische Gesundheit informell pflegender Angehöriger und ihre konkreten Bedarfe. In einer Online-Umfrage werden Belastungen, Ressourcen und Versorgungsbedarfe erfasst. Zusätzlich werden in einem partizipativen Symposium unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht: Erfahrungsexperten, Politik, Kommunen sowie Kranken- und Pflegekassen. Ziel ist es, Hürden und Lösungsmöglichkeiten besser zu verstehen. Auf dieser Grundlage soll eine digitale Plattform entstehen, die pflegenden Angehörigen niedrigschwellige Unterstützung bietet.
Hauptkoordination
Dr. Lydia Kogler
Lydia.Kogler@med.uni-tuebingen.de
Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Tübingen
Laufzeit
2026 bis 2029