Visions - Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit

VISIONS

Die Förderlinie VISIONS unterstützt visionäre Forschung zu neu aufkommenden, gesellschaftlich relevanten Fragestellungen.

Gefördert werden Projekte, die agil auf Entwicklungen mit hoher gesellschaftlicher Relevanz reagieren.

Gefördert werden visionäre Projekte aus drei Domänen:
Domäne I: Risiko und Resilienz bei psychischer und physischer Gesundheit über die Lebensspanne
Domäne II: Innovative, individualisierte Interventionen
Domäne III: Prävention, Genesung und Teilhabe im Lebensumfeld

VISIONS 2026

  • Projektlaufzeit: 1–3 Jahre
  • Wer kann sich bewerben: DZPG-Forschende und ECS-Mitglieder
  • Budget: 200.000 € – 1,2 Mio. €

Kontakt: visions@dzpg.org

Bewerbung: https://www.foldercase.com/

Geförderte Projekte
VIVIONS 2025

VISIONS25 BE1 KOMMIT KIDS

Kurzbeschreibung
KOMMIT-Kids ist ein vom Trialogischen Zentrumsrat (TZR) initiiertes Projekt. Es folgt dem Vorbild von KOMMIT und internationalen Projekten und gibt Kindern und Jugendlichen (6–17 Jahre) eine Stimme in der Forschung. Als Expertinnen ihrer eigenen Gesundheit und Lebenswelten können sie direkt äußern, welche Forschungsthemen im Bereich psychischer Gesundheit für sie wichtig sind. In einer partizipativen, standortübergreifenden Verbundstruktur werden diese Prioritäten gesammelt und in einem Forschungskompass-Kids dargestellt.

Hauptkoordination
Prof. Dr. Claudia Calvano
claudia.calvano@fu-berlin.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg

Laufzeit
folgt

VISIONS25 BE2

Kurzbeschreibung
85 Prozent der Bevölkerung nutzen regelmäßig Social Media. Die Auswirkungen dieser Nutzung auf die mentale Gesundheit sind jedoch weitgehend unverstanden. Studien zeigen komplexe Zusammenhänge, die durch spezifische Nutzungsmuster sowie individuelle Eigenschaften, Kognitionen und Kompetenzen moduliert werden. LIKES erforscht die Auswirkungen von Social Media auf die mentale Gesundheit in allen Altersgruppen. Dabei werden sowohl positive als auch negative Effekte untersucht und die wichtigsten Risikofaktoren identifiziert. Aus diesen Erkenntnissen entstehen wissenschaftlich fundierte, individuell anpassbare Interventionen. 

Hauptkoordination
Berlin-Potsdam, Charité – Universitätsmedizin Berlin
ferdi-nand.hoffmann@charite.de 
Verbundprojekt von den Antragsstellenden gemeinsam koordiniert, die Leitung der einzelnen Projekte liegt bei den jeweiligen Standorten.

Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Tübingen

Laufzeit
folgt

VISIONS25 BO1

Kurzbeschreibung
Für die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen werden neue Ansätze benötigt. Dazu gehören eine intensivere Erforschung therapeutischer Prozesse und Veränderungsmechanismen sowie eine stärkere Personalisierung der Behandlung. Bisher sind sowohl die Prozessforschung als auch die Erfassung des Therapieverlaufs (Routine Outcome Monitoring) sowie die dafür erforderlichen Instrumente in der Kinder- und Jugendpsychotherapie unzureichend entwickelt. Das Projekt verfolgt das Ziel, ein transdiagnostisches Core-Prozess-Outcome-Modul für die Kinder- und Jugendpsychotherapie (COPOM-KiJu) zu entwickeln und zu evaluieren. Dieses Modul soll helfen, therapeutische Prozesse besser zu verstehen und Behandlungen wirksamer und individueller zu gestalten.
Mit der Entwicklung des Prozess-Outcome-Moduls wird zugleich ein Beitrag zur Qualitätssicherung in der psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen geleistet.

Hauptkoordination
Dr. Anke de Haan
Anke.deHaan@ruhr-uni-bochum.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
Tübingen

Laufzeit
folgt

VISIONS25 BO2

Kurzbeschreibung
Menschen, die sozial benachteiligt sind – etwa durch ihre Herkunft, Ausgrenzung oder Diskriminierung – entwickeln häufiger Paranoia. Das bedeutet, dass sie unbegründet glauben, dass andere ihnen schaden wollen. Im schlimmsten Fall kann das zu einer Psychose führen. Bislang fehlen Daten, ob sich die Denkprozesse, die zu Paranoia führen, zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen unterscheiden. In Deutschland leben etwa 22 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Die Frage, wie sich soziale Ausgrenzung auf ihre psychische Gesundheit auswirkt, betrifft also sehr viele Menschen und ist gesellschaftlich hochrelevant. Das Projekt untersucht, wie ethnische Vielfalt, Diskriminierungserfahrungen und bestimmte Denkmuster (sogenannte kognitive Verzerrungen) zusammenwirken und zur Entstehung von Paranoia beitragen können. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse wird eine Behandlungsmethode gegen Paranoia entwickelt, die auf unterschiedliche kulturelle Hintergründe zugeschnitten ist. Diese Methode wird anschließend in einer Studie mit Betroffenen getestet.

Hauptkoordination
Prof. Dr. Mar Rus-Calafell
mar.rus-calafell@ruhr-uni-bochum.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg

Laufzeit
folgt

VISIONS25 BO3

Kurzbeschreibung
Die Zahl der Frühverrentungen aufgrund psychischer Erkrankungen steigt in Deutschland stetig. Das ist ein großes gesellschaftliches Problem, denn gleichzeitig wird die Bevölkerung älter, die Rentenkassen sind angespannt und es fehlen Fachkräfte. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie häufig psychische Erkrankungen auftreten, wie sie verlaufen und wie man sie besser verhindern kann.
Die Forschenden verbinden zwei Datenquellen: Informationen der Deutschen Rentenversicherung und Daten aus einer digitalen Langzeitbefragung zur psychischen Gesundheit, die am DZPG-Standort Bochum durchgeführt wird. So können sie nachvollziehen, wie sich psychische Probleme bei Jugendlichen und Erwerbstätigen entwickeln und wie hoch das Risiko einer Frühverrentung ist. Auf Basis fundierter Daten sollen verschiedene Zukunftsszenarien erstellt werden: Was bedeuten psychische Erkrankungen für das Berufsleben der Betroffenen? Die Ergebnisse – etwa zu Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und Frühverrentungsrisiken – werden praxisnah aufbereitet und veröffentlicht, damit sie konkret genutzt werden können.

Hauptkoordination
Prof. Dr. Martin Werding (RUB)
martin.werding@ruhr-uni-bochum.de
Prof. Dr. Peter Falkai (LMU)
Peter.Falkai@med.uni-muenchen.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
München-Augsburg

Laufzeit
folgt

VISIONS25 JE1

Kurzbeschreibung
Viele Menschen erleben in ihrer Kindheit belastende Ereignisse wie Missbrauch, Vernachlässigung oder Gewalt – sogenannte „Adverse Childhood Experiences“ (ACE). Solche Erfahrungen sind der größte Risikofaktor dafür, später im Leben psychisch zu erkranken. Bisher fehlt es aber an einem genauen Verständnis, wie genau diese Kindheitserlebnisse zu psychischen Problemen führen. Es gibt auch keine verlässlichen Marker, mit denen Ärztinnen und Ärzte einschätzen könnten, welche Betroffenen ein besonders hohes Risiko haben.
Das Projekt ist ein wichtiger Schritt zu einer besseren, auf die individuellen Kindheitserlebnisse abgestimmten Behandlung. Die Forschenden untersuchen verschiedene Merkmale von Menschen mit belastenden Kindheitserfahrungen: psychosoziale Faktoren, digitale Daten, Blutwerte und Genaktivität. Damit wollen sie typische Muster (Cluster) erkennen. Diese werden dann mit psychiatrischen Diagnosen, Gehirnscans und dem weiteren Krankheitsverlauf verglichen.
Die gefundenen Marker sollen darauf getestet werden, ob sie sich verändern lassen. Wenn ja, könnten daraus neue Früherkennungsmethoden und gezielte Behandlungsansätze entwickelt werden – passgenau für Menschen mit belastenden Kindheitserlebnissen.

Hauptkoordination
Dr. Lejla Colic
Lejla.Colic@med.uni-jena.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Tübingen

Laufzeit
folgt

VISIONS25 JE2

Kurzbeschreibung
Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Beschwerden. Deshalb sind Vorbeugung, einfach zugängliche Hilfsangebote und Wissen über psychische Gesundheit so wichtig. Gesundheits-Apps (mHealth-Apps) können dabei helfen, indem sie personalisierte digitale Unterstützung bieten. Allerdings ist noch unklar, ob solche Apps in großem Umfang eingesetzt werden können und ob sie auch benachteiligte oder gefährdete Gruppen erreichen. Die Forschenden testen, ob eine Gesundheits-App zur Förderung der psychischen Gesundheit in der breiten Bevölkerung funktionieren kann. Dabei untersuchen sie, wie gut sich Nutzerinnen und Nutzer gewinnen lassen, wie regelmäßig sie die App verwenden und wie zufrieden sie damit sind. Auch, ob die App erste positive Wirkungen hervorruft und ob sie von verschiedenen Bevölkerungsgruppen gut angenommen wird, sind Forschungsfragen. Die App wird gemeinsam mit Betroffenen und Nutzenden weiterentwickelt und soll so gestaltet werden, dass sie möglichst viele Menschen nützen kann. Außerdem wird eine offizielle Zertifizierung als digitale Gesundheitsanwendung angestrebt, damit sie im Versorgungssystem eingesetzt werden kann.

Hauptkoordination
Dr. med. Lavinia-Alexandra Steinmann (Standort Halle-Jena-Magdeburg)
Lavinia-Alexandra.Steinmann@med.uni-jena.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm

Laufzeit
folgt

VISIONS25 JE3

Kurzbeschreibung
Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter psychischen Problemen, die durch Stress ausgelöst werden. Das zeigt, wie wichtig es ist, besser zu verstehen, warum manche Menschen mit Stress und schwierigen Situationen besser umgehen können als andere. Bisher wissen wir nicht genau, welche seelischen Mechanismen Menschen dabei helfen, mit Belastungen fertig zu werden und gesund zu bleiben.
Das Forschungsteam baut auf früheren Erkenntnissen über Widerstandskraft und Veränderungen im Gehirn auf. Zunächst werden Menschen untersucht, die ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen haben. Dabei soll herausgefunden werden, welche Schutzfaktoren bei verschiedenen Krankheitsbildern eine Rolle spielen. Die Erkenntnisse werden in Tierversuchen weiter untersucht. Anschließend werden Methoden entwickelt und geprüft, mit denen man diese Schutzfaktoren bei Menschen messen kann. Das Ziel ist es, besser zu verstehen, wie Menschen mit Belastungen umgehen und was sie widerstandsfähig macht. Dieses Wissen soll dabei helfen, psychische Erkrankungen besser vorzubeugen und wirksamer zu behandeln.

Hauptkoordination
Standort Halle-Jena-Magdeburg unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU); 
Hauptantragstellerinnen: 
Dr. Annabell Coors (MLU)
annabell.coors.work@gmx.com
und Dr. Anna Schnell (LIR); 
Mitführende Antragstellerin: 
Dr. Lisa Hahn (LMU München)

Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg

Laufzeit
folgt

VISIONS25 JE4

Kurzbeschreibung
Depressionen gehören zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Etwa jeder fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens daran. Besonders problematisch: 20 bis 30 Prozent der Betroffenen sprechen auf die üblichen Behandlungen nicht an. Daher werden dringend Tests benötigt, die bei der Diagnose helfen und vorhersagen können, welche Therapie bei wem wirkt. Neuere Forschung zeigt, dass es bei manchen Patienten einen bestimmten Typ von Depression gibt, bei dem Entzündungsprozesse im Gehirn eine Rolle spielen. Bislang lässt sich durch Blutuntersuchungen jedoch nur begrenzt erkennen, was tatsächlich im Gehirn vor sich geht. In diesem Projekt werden erstmals winzige Bläschen (sogenannte extrazelluläre Vesikel) untersucht, die in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit von Patienten mit behandlungsresistenter Depression schwimmen. Diese Bläschen könnten wichtige Informationen über Krankheitsprozesse im Gehirn enthalten. Das Ziel ist es, Marker zu finden, mit denen sich verschiedene Untergruppen von Depressionen unterscheiden lassen. Damit könnte man gezielt die Patienten identifizieren, bei denen Entzündungen im Gehirn eine Rolle spielen – und diese dann mit entzündungshemmenden Medikamenten behandeln.

Hauptkoordination
Priv.-Doz. Dr. med. Alexandra Neyazi

alexandra.ne-yazi@med.ovgu.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm

Laufzeit
folgt

VISIONS25 MA1

Kurzbeschreibung
Damit Ärzte und Forscher wissen, wie es Patienten wirklich geht, müssen sie diese direkt fragen. Solche Patientenberichte – bei denen Menschen selbst über ihren Gesundheitszustand und ihre Lebensqualität Auskunft geben – sind besonders bei psychischen Erkrankungen sehr wichtig. Allerdings ist es gar nicht so einfach, die richtigen Fragen zu stellen und die Antworten anschließend sinnvoll für die Behandlung zu nutzen. Dieses Projekt möchte die Befragung von Patienten verbessern, damit Forschung und Behandlung im Alltag besser zusammenwirken. Es werden Empfehlungen entwickelt, wie man gute Fragebögen gestaltet und einsetzt – und zwar so, dass sie sowohl für die Patienten verständlich und relevant sind als auch für die Forschung brauchbare Ergebnisse liefern. Dafür werden bestehende Fragebögen genau unter die Lupe genommen: Fragen sie wirklich das, was den Betroffenen wichtig ist? Können sie verbessert werden?
Das Ziel ist, dass die Sichtweise und Erfahrungen der Patienten stärker in die Forschung einfließen und die medizinische Versorgung dadurch besser auf die Bedürfnisse der einzelnen Menschen zugeschnitten wird.

Hauptkoordination
Prof. (apl.) Dr. med. Dr. sc. hum. Patrick Bach

patrick.bach@zi-mannheim.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Mannheim-Heidelberg-Ulm

Laufzeit
folgt

VISIONS25 MA2

Kurzbeschreibung
Manche Kinder haben von Geburt an ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsprobleme – zum Beispiel Geschwister von Kindern mit Entwicklungsstörungen wie Autismus oder Babys, die zu früh geboren wurden. Werden solche Entwicklungsbesonderheiten erst spät bemerkt, erhalten die Kinder oft lange keine passende Unterstützung. Das kann sich negativ auf ihre körperliche und seelische Entwicklung auswirken und langfristige Folgen haben. Vorbeugende Maßnahmen setzen bereits bei den ersten Anzeichen an, noch bevor sich ernsthafte Probleme entwickeln. Sie sollen helfen, die Widerstandskraft der Kinder zu stärken und Entwicklungsstörungen zu verhindern.
In diesem Projekt wird untersucht, ob gezielte Unterstützung und Förderung im Säuglingsalter die Entwicklung von Risikokindern – sowohl von Babys mit erhöhtem Autismus-Risiko als auch von Frühgeborenen – deutlich verbessern kann.
Das Ziel ist es, Früherkennung und frühzeitige Förderung als wirksame Vorbeugungsstrategie zu etablieren. Dafür sollen wissenschaftlich fundierte Methoden entwickelt werden, mit denen man rechtzeitig eingreifen und den Entwicklungsverlauf positiv beeinflussen kann – damit aus kleinen Anfangsschwierigkeiten keine größeren Probleme werden.

Hauptkoordination
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Heidelberg (PI: Dr. Laudanksa, Zuzanna.Laudanska@med.uni-heidelberg.de) Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Heidelberg (Co -PI: Prof. Dr. Dr. Marschik) Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Heidelberg (Co -PI: Prof. Dr. Poustka)

Beteiligte DZPG-Standorte
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Tübingen

Laufzeit
folgt

VISIONS25 MA3

Kurzbeschreibung
Stress ist ein wichtiger Auslöser für körperliche und seelische Erkrankungen. Im Körper reagiert besonders ein bestimmtes Hormonsystem darauf – die sogenannte Stressachse, die vom Gehirn über die Hirnanhangsdrüse bis zu den Nebennieren reicht. Wie stark jemand auf Stress reagiert, hängt sowohl von den Lebensumständen als auch von den Genen ab. Besonders interessant ist die Frage, wie Kinder und Jugendliche mit Stress umgehen. Wenn man versteht, wie sich ihre Stressverarbeitung entwickelt, kann man früh erkennen, ob sie gut oder schlecht mit Belastungen zurechtkommen – und rechtzeitig gegensteuern. Dieses Projekt untersucht, wie Stresserlebnisse und genetische Veranlagung die Funktion der Stressachse beeinflussen, vor allem während der Pubertät. In dieser Lebensphase verändert sich das Stresssystem ohnehin stark, was Jugendliche anfälliger für Belastungen machen kann. Das Ziel ist herauszufinden, warum frühe Belastungen bei manchen Menschen dazu führen, dass sie später schlecht mit Stress umgehen können. Mit diesem Wissen sollen dann Wege gefunden werden, stressbedingten Erkrankungen vorzubeugen – indem man eingreift, bevor sich ungünstige Muster verfestigen

Hauptkoordination
Svenja Müller
Svenja.Mueller@zi-mannheim.de
Stephanie Witt, 
Michael Deuschle (Standort Mannheim); 
Robert Kumsta (Standort Bochum)

Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm

Laufzeit
folgt

VISIONS25 MA4

Kurzbeschreibung
Künstliche Intelligenz – insbesondere Sprachprogramme, die Texte verstehen und analysieren können – bietet neue Möglichkeiten für die Psychotherapie. Sie könnte dabei helfen, Symptome automatisch zu erkennen oder zu analysieren, welche Elemente einer Therapie besonders wirksam sind. Obwohl es vielversprechende Ansätze gibt, wurde diese Technik im deutschsprachigen Raum bisher kaum systematisch erforscht.

Das Projekt verfolgt zwei Hauptziele: Erstens soll eine umfassende Datenbank mit Sprachdaten aus Psychotherapien aufgebaut werden, die verschiedene Forschungseinrichtungen gemeinsam nutzen können. Zweitens wird untersucht, wie künstliche Intelligenz in drei Bereichen helfen kann:

  1. Krankheitszeichen in der Sprache von Patienten erkennen
  2. Messen, welche Therapieelemente in Gesprächen tatsächlich wirken
  3. Prüfen modernster Methoden, um Sprachdaten zu anonymisieren und den Datenschutz zu gewährleisten

Damit soll Grundlagenforschung mit praktischer Anwendung verbunden werden: KI-gestützte Werkzeuge sollen die Diagnostik verbessern und dabei helfen, Therapien besser auf den jeweiligen Patienten zuzuschneiden.

Hauptkoordination
Prof. Dr. Gerhard Gründer, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim, Abteilung für Molekulares Neuroimaging
Gerhard.Gruender@zi-mannheim.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Bochum-Marburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg

Laufzeit
folgt

VISIONS25 MU1

Kurzbeschreibung
Psychische Erkrankungen gehören weltweit zu den größten Gesundheitsproblemen. Bisher fehlen jedoch ausreichend genaue und durchgehende Daten darüber, wie sich die Erkrankungen bei einzelnen Menschen entwickeln und welche Faktoren das Risiko erhöhen. Besonders vielversprechend wäre es, persönliche Einschätzungen der Betroffenen mit Sensordaten (zum Beispiel von Smartphones oder Fitness-Trackern) und sozialen Faktoren zu verbinden. So könnte man psychische Erkrankungen früher erkennen, besser vorbeugen und gezielter behandeln.
Das Projekt SENSED-MH sammelt und verknüpft verschiedene Datenquellen:

  • Mehrfache tägliche Kurzbefragungen, bei denen Menschen ihr aktuelles Befinden direkt im Alltag festhalten
  • Sensordaten von digitalen Geräten (etwa Bewegung, Schlaf, Smartphone-Nutzung)
  • Klassische Fragebögen
  • Informationen über soziale und Umweltfaktoren

Durch die Kombination verschiedener Informationsquellen entsteht ein umfassendes Bild der psychischen Gesundheit. So lassen sich Risikofaktoren und Schutzfaktoren besser identifizieren. Die Erkenntnisse sollen dann direkt in digitale Programme einfließen, mit denen man viele Menschen erreichen kann – etwa für Früherkennung oder Vorbeugung. Ziel ist es, neue, alltagstaugliche Ansätze zu entwickeln, die psychische Erkrankungen individuell auf die jeweilige Person zugeschnitten verhindern oder behandeln können.

Hauptkoordination
Dr. Yannik Terhorst
Yannik.Terhorst@psy.lmu.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Bochum-Marburg
Halle-Jena-Magdeburg
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Tübingen

Laufzeit
folgt

VISIONS25 MU2

Kurzbeschreibung
Seit Jahrzehnten werden psychotische Erkrankungen wie Schizophrenie mit Medikamenten behandelt, die auf den Botenstoff Dopamin im Gehirn wirken. Doch diese Antipsychotika helfen oft nicht ausreichend und verursachen häufig starke Nebenwirkungen. Deshalb werden dringend neue Wirkstoffe benötigt, die nach einem anderen Prinzip funktionieren.
Bevor neue Medikamente an Menschen getestet werden dürfen, müssen sie meist erst in Tierversuchen untersucht werden. Die Ergebnisse aus Tierstudien lassen sich jedoch oft nicht auf den Menschen übertragen.
Dieses Projekt will systematisch untersuchen, wie aussagekräftig Tierversuche sind, wenn es um die Wirksamkeit von Antipsychotika geht. Durch eine umfassende Analyse zahlreicher Studien soll herausgefunden werden, unter welchen Bedingungen Tierversuchsergebnisse zuverlässig auf klinische Studien übertragbar sind.
Das Ziel ist, einen wissenschaftlichen Rahmen zu schaffen, der dabei hilft, bessere Entscheidungen zu treffen: Welche Wirkstoffkandidaten aus Tierversuchen sollten tatsächlich am Menschen getestet werden? So soll die Entwicklung neuartiger und wirksamerer Antipsychotika beschleunigt und verbessert werden.

Hauptkoordination
Technische Universität München, DZPG -Standort München- Augsburg, Spyridon Siafis
spyridon.siafis@tum.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg
Tübingen

Laufzeit
folgt

VISIONS25 MU3

Kurzbeschreibung
Psychotische Erkrankungen wie Schizophrenie sind noch immer sehr schwer zu erkennen, und vorherzusagen, wie sie verlaufen werden, ist schwierig. Zwar kennt man inzwischen viele Erbanlagen, die das Risiko für solche Erkrankungen erhöhen. Was jedoch fehlt, sind verlässliche Vorhersagemodelle, die diese genetischen Informationen mit klinischen Beobachtungen und Gehirnbefunden kombinieren. Solche Modelle könnten dabei helfen, Vorbeugung und Behandlung individuell auf jeden Menschen zuzuschneiden und rechtzeitig einzugreifen.
Das Projekt untersucht genetische Untergruppen, die durch die Analyse von Risikogenen identifiziert werden. Vereinfacht gesagt: Menschen mit ähnlichen genetischen Risikomustern werden zusammengefasst.
Dann wird geprüft, ob diese genetischen Gruppen tatsächlich dabei helfen können vorherzusagen, wie die Erkrankung bei Risikopersonen verlaufen wird. Außerdem soll erforscht werden, wie man diese genetischen Informationen am besten mit anderen Daten – etwa aus ärztlichen Untersuchungen oder Gehirnscans – verbinden kann.
Wichtig dabei: Menschen mit eigener Erkrankungserfahrung werden einbezogen, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse auch in der Praxis anwendbar sind.
Langfristig sollen so Marker entwickelt werden, mit denen man besser vorhersagen kann, wer erkranken wird – und Ärzte bei ihren Entscheidungen zur personalisierten Vorbeugung und Behandlung unterstützt werden.

Hauptkoordination
Max-Planck-Institut für Psychiatrie, DZPG Standort München-Augsburg, Ariane Christin Wiegand
Ariane.Wiegand@med.uni-muenchen.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg

Laufzeit
folgt

VISIONS25 MU4

Kurzbeschreibung
Bei manchen Menschen mit Depression schlagen herkömmliche Behandlungen nicht an – man spricht dann von therapieresistenter Depression. Das ist eine große Herausforderung für Betroffene und Ärzte. Ein Hauptproblem bei der Entwicklung neuer, personalisierter Therapien: Man kann nicht einfach Gewebeproben aus dem Gehirn entnehmen, um zu verstehen, was bei der jeweiligen Person im Körper falsch läuft. Stammzellmodelle bieten hier einen innovativen Ausweg – mit ihnen lassen sich individuelle Krankheitsmechanismen im Labor untersuchen.
In diesem Projekt werden aus Zellen von Patienten mit therapieresistenter Depression Stammzellen gewonnen und daraus im Labor Nervengewebe hergestellt. An diesem patienteneigenen Modell können dann verschiedene alternative Behandlungsmöglichkeiten getestet werden – und zwar bevor man sie am Patienten selbst ausprobiert.
So lässt sich herausfinden, welche Therapie bei welchem Menschen am ehesten wirken wird. Das Ziel ist, Marker zu identifizieren, die vorhersagen, welche Behandlung für wen geeignet ist. Langfristig sollen Patienten dadurch besser in Gruppen eingeteilt und gezielter behandelt werden können – sodass jeder die Therapie bekommt, die bei ihm tatsächlich wirkt.

Hauptkoordination
Dr. Sebastian Schmidt
sebastian.schmidt@helmholtz-munich.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Mannheim-Heidelberg-Ulm
München-Augsburg

Laufzeit
folgt

VISIONS25 MU5

Kurzbeschreibung
Die Depression ist eine psychische Erkrankung, bei der Rückfälle sehr häufig auftreten – viele Betroffene werden nach einer erfolgreichen Behandlung erneut krank. Eine wirksame und gut verträgliche Therapiemethode für schwere, behandlungsresistente Depressionen ist die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS). Dabei werden bestimmte Gehirnbereiche von außen durch das Schädelknochen hindurch mit Magnetfeldern stimuliert. Was bisher jedoch fehlt, sind gesicherte Erkenntnisse darüber, wie man Rückfälle durch fortlaufende rTMS-Behandlungen am besten verhindern kann.
Dieses Projekt vergleicht zwei verschiedene Behandlungspläne für die Erhaltungstherapie mit rTMS – also die Fortsetzung der Behandlung nach der ersten erfolgreichen Therapie, um Rückfälle zu vermeiden. Dabei wird untersucht, welches Behandlungsschema wirksamer ist und wie sich die Therapie auf klinische Symptome sowie auf messbare Veränderungen im Gehirn auswirkt.
Aus den Ergebnissen sollen konkrete Empfehlungen entwickelt werden, wie Erhaltungstherapien mit rTMS am besten durchgeführt werden sollten. Zusätzlich ermöglichen die umfangreichen Gehirnbilddaten, die dabei gesammelt werden, ein besseres Verständnis darüber, wie rTMS überhaupt im Gehirn wirkt.

Hauptkoordination
Severin Schramm
severin.schramm@tum.de

Beteiligte DZPG-Standorte
München-Augsburg
Tübingen

Laufzeit
folgt

VISIONS25 TU1

Kurzbeschreibung
Geschlecht und geschlechtliche Identität spielen eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung – auch bei Essstörungen. Lange Zeit wurden Essstörungen hauptsächlich bei Frauen diagnostiziert. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass auch immer mehr Männer und Menschen aus sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten (LGBTQIA+) betroffen sind. Gerade diese Gruppen erleben häufig besonders starke Stigmatisierung und Vorurteile im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung.
Das Projekt MASC-ED untersucht erstmals systematisch, wie sich Essstörungen bei verschiedenen Geschlechtern und geschlechtlichen Identitäten unterschiedlich zeigen und entwickeln. Dabei sollen Risikofaktoren und Symptome aufgedeckt werden, die bisher übersehen wurden, weil sich die Forschung hauptsächlich auf Frauen konzentriert hat.
Auf dieser Grundlage soll ein Krankheitsbild entwickelt werden, das alle Geschlechter und geschlechtliche Vielfalt berücksichtigt. Außerdem sollen daraus personalisierte Behandlungs- und Vorbeugungsansätze entstehen, die auf die spezifischen Mechanismen und Bedürfnisse der verschiedenen Gruppen zugeschnitten sind – damit alle Betroffenen die Unterstützung bekommen, die sie wirklich brauchen.

Hauptkoordination
Dr. rer. nat. Kathrin Schag
kathrin.schag@med.uni-tuebingen.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Tübingen

Laufzeit
folgt

VISIONS25 TU2

Kurzbeschreibung
Depressive Symptome treten bei vielen psychischen Erkrankungen auf und gehören zu den größten Herausforderungen in der Psychiatrie. Sie schränken die Lebensqualität der Betroffenen massiv ein. Viele Behandlungsansätze zielen darauf ab, fehlerhafte Aktivitätsmuster im Gehirn zu normalisieren. Das Problem: Solche Therapien sind für viele Betroffene entweder gar nicht oder nur schwer zugänglich – etwa, weil es zu wenige Therapieplätze gibt oder die Anfahrtswege zu weit sind.
Dieses Projekt baut auf bisherigen Forschungen zu Trainings auf, die die geistige Kontrolle und Steuerung verbessern sollen. Nun soll dieses Training in einer Online-Studie untersucht werden, damit es praktisch in der Therapie eingesetzt werden kann.
Konkret wird geprüft, ob das Training tatsächlich wirkt und bei wem es am besten anschlägt. Ziel ist es herauszufinden, anhand welcher individuellen Merkmale man vorhersagen kann, wer von dem Training profitiert.
Gleichzeitig soll eine digitale Infrastruktur aufgebaut werden, mit der solche kognitiv-verhaltenstherapeutischen Trainingsprogramme vollständig online klinisch getestet werden können – ein wichtiger Schritt, um mehr Menschen Zugang zu wirksamen Behandlungen zu ermöglichen.

Hauptkoordination
Simone Weller
simone.weller@uni-tuebingen.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Berlin-Potsdam
Tübingen

Laufzeit
folgt

VISIONS25 TU3

Kurzbeschreibung
Ein vielversprechender Therapieansatz bei Suchterkrankungen und Essstörungen ist die sogenannte Reizkonfrontation mit virtueller Realität (VR). Dabei werden Betroffene in einer computergenerierten, dreidimensionalen Umgebung mit Situationen konfrontiert, die normalerweise ihr problematisches Verhalten auslösen – zum Beispiel eine Bar für Menschen mit Alkoholproblem oder ein Buffet bei Essstörungen. So können sie in einer sicheren Umgebung lernen, besser mit diesen Reizen umzugehen.
Bisher fehlen belastbare wissenschaftliche Belege dafür, wie gut diese VR-Therapie tatsächlich wirkt, wie sie am besten eingesetzt werden sollte und bei welchen Menschen sie besonders gut funktioniert.
Dieses Projekt soll herausfinden, ob VR-gestützte Reizkonfrontation in der Psychotherapie tatsächlich Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden bringt. Außerdem wird untersucht, welche technischen Faktoren (etwa Qualität der VR-Szenarien) und welche persönlichen Merkmale der Patienten den Therapieerfolg beeinflussen.
Die Ergebnisse sollen dabei helfen zu entscheiden, ob die gesetzliche Krankenversicherung VR-Therapie bezahlen sollte und ob diese Behandlungsmethode in offizielle Behandlungsrichtlinien aufgenommen wird. Damit würde VR-Therapie für mehr Betroffene zugänglich.

Hauptkoordination
Simone Behrens
Simone.Behrens@med.uni-tuebingen.de

Beteiligte DZPG-Standorte
Mannheim-Heidelberg-Ulm
Tübingen

Laufzeit
folgt