Depression - Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit

KRANKHEITSBILD

Depressionen

Jeder Mensch fühlt sich mal traurig oder erschöpft. Doch eine Depression geht weit darüber hinaus: Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, körperliche Beschwerden und das Gefühl von Wertlosigkeit begleiten viele Betroffene – manchmal über Monate oder Jahre hinweg. Genetische Faktoren, Stress, traumatische Erlebnisse oder biologische Prozesse wie Entzündungen können eine Rolle spielen, wenn eine Depression entsteht. Für die Behandlung werden Psychotherapie, Medikamente oder ergänzende Maßnahmen wie Licht-, Wach- oder Bewegungstherapie eingesetzt.

Eine Depression* äußert sich oft in einer länger anhaltend niedergedrückten Stimmung, das Interesse und die Freude an Aktivitäten gehen verloren, Schlafstörungen treten häufig auf. Depressive Menschen sind schnell erschöpft, haben einen verminderten Antrieb und können sich schlechter konzentrieren oder an etwas erinnern. Viele Betroffene fühlen sich wertlos, haben Schuldgefühle oder sogar Suizidgedanken. Viele erleben auch begleitende körperliche Beschwerden wie Magenprobleme, Appetitlosigkeit oder Kopf- oder Rückenschmerzen. 


*  Definition nach ICD. Siehe dazu auch F32

Experten gehen davon aus, dass genetische, biologische, Umwelt- und psychologische Faktoren bei der Entstehung einer Depression zusammenwirken. Veränderungen, traumatische Ereignisse, Stress und bestimmte Lebensumstände können das Risiko einer Depression erhöhen. Auch eine frühere Depression oder Angststörung kann die Entstehung einer neuen depressiven Phase begünstigen. Die genauen Ursachen werden noch erforscht.

Von einer Depression spricht man, wenn die typischen Beschwerden für mehr als zwei Wochen anhalten. Bei einigen Menschen klingen die depressiven Symptome nach einigen Monaten wieder ab, ebenso können sich depressive Phasen mit beschwerdefreien Phasen abwechseln. Man kann zwischen leichter, mittelschwerer und schwerer Depression unterscheiden. Wenn die Symptome länger als zwei Jahre andauern, liegt eine chronische Depression vor. 

Die wichtigsten Behandlungsoptionen bei einer Depression sind Psychotherapie und ggfs. auch die Einnahme von antidepressiven Medikamenten, manchmal auch ergänzt durch andere Maßnahmen, bei Erwachsenen, zum Beispiel eine Licht-, Wach-, oder Bewegungstherapie sowie Hirnstimulationsverfahren. Welche Maßnahmen am besten geeignet sind, hängt von Erkrankungsschwere, -verlauf und der persönlichen Lebenssituation ab. Oft werden Therapiemaßnahmen auch kombiniert. Neben begleitenden Online-Programmen, welche jedoch keine Psychotherapie ersetzen, gibt es ambulante Therapieangebote, bei denen man sich in regelmäßigen Sitzungen mit der Psychotherapeutin oder dem Psychotherapeuten bespricht. Bei schweren und langanhaltenden Beschwerden kann die Behandlung aber auch tagesklinisch oder stationär im Krankenhaus erfolgen. Ziel der Therapie ist, dass die Betroffenen lernen, mit der Erkrankung umzugehen, ihre Symptome zu lindern und Rückfälle frühzeitig zu erkennen oder zu verhindern.

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Betroffenen-Perspektive

Mein Alltag mit Depression

„Die Erkrankung fühlte sich für mich an, als ob ich völlig orientierungslos wäre, ohne einen festen Anker. Ich hatte das Gefühl, als würde ich fallen, ohne Boden unter den Füßen, immer weiter und ohne Ende. Vor allem die ständige Angst war allgegenwärtig – jede Minute, jeden Tag. Ich hatte viele Ängste: Angst vor dem Rausgehen, Existenzangst, Angst vor finanziellen Problemen. Schon das Öffnen eines Briefes wurde zur Herausforderung.“

„Nach einer schwierigen Zeit und vielen Therapien, wurde ich von meinem Arzt gefragt, ob ich nicht wieder mit Sport beginnen wolle. Diese Frage erinnerte mich an meine frühere Leidenschaft für Ausdauersportarten. Noch am nächsten Morgen schnürte ich meine Laufschuhe und lief meine bekannte Strecke. Das Gefühl danach – erschöpft, aber lebendig – war für mich ein wichtiger und entscheidender Moment.“

„Ein weiterer Impuls kam durch die sogenannte Nachttherapie. Ich habe das Konzept mit anderen Mitpatienten aktiv umgesetzt: Wir haben nachts gemeinsam gebacken, gelesen und bewusst auf Handy und Fernsehen verzichtet. Das Mitgefühl und der Zusammenhalt mit anderen Patienten waren wertvoll. Am Ende braucht es Menschen hinter einem Konzept, um solche Prozesse im Gehirn wieder anzustoßen.“

Angehörigen-Perspektive

Mein Alltag mit Depression

„Oft stehen Angehörige hilflos daneben, wenn sich ein geliebter Mensch in seiner eigenen Welt aus Verzweiflung, Freud- und Antriebslosigkeit zu verlieren droht. So erging es mir, als meine Großmutter in eine schwere depressive Phase geriet. Sie, die ihr Leben lang lebensfroh und interessiert an allem war, zog sich immer mehr in sich selbst zurück. Sie konnte an nichts mehr Freude finden, nicht mal an den Dingen, die ihr früher das Liebste waren – das Tanzen mit meinem Großvater, das fröhliche Beisammensein mit der Familie, die kleinen Enkel um sich zu haben. Stattdessen wirkte sie apathisch, den Blick leer, das Gesicht wie versteinert. Es war, als würde eine Mauer sie von allem trennen, was das Leben lebenswert macht.“

„Wir als Familie taten uns schwer, einen Weg zu ihr zu finden. Ihre Krankheit machte uns Angst. Oft wussten wir nicht, wie wir reagieren und helfen sollten. Depression bei älteren Menschen – das war damals ein Tabuthema. Aufklärung oder gar spezialisierte Hilfsangebote gab es so gut wie nicht.“

„Das Schicksal meiner Großmutter ist kein Einzelfall. Noch immer sind Depressionen mit viel Unwissenheit und Tabus belegt. Dabei ist es so wichtig, dass Betroffene und Angehörige kompetente Hilfe und Verständnis finden – egal in welchem Alter.“

Die anonymisierten Erfahrungsberichte von Betroffenen und Angehörigen wurden über die Partizipations-Gremien des DZPG eingesammelt.

Unterstützung

Wenn Sie Unterstützung suchen, gibt es verschiedene Anlaufstellen:

Fachärztinnen und -ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden Sie über das Suchportal der Bundesregierung: gesund.bund.de/suchen/aerztinnen-und-aerzte

Über Terminservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erhalten Sie Hilfe bei der Suche nach einem Termin für eine Behandlung: eterminservice.de/terminservice

Eine Übersicht und Suchmöglichkeit nach Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (NAKOS):
nakos.de/adressen/datenbanksuche

In akuten Krisen erhalten Sie auch außerhalb der Sprechzeiten schnelle und qualifizierte Hilfe rund um die Uhr über den medizinischen Notdienst (116 117)

Bei unmittelbarer Suizidgefahr rufen Sie bitte sofort den Notruf (112) an. Zögern Sie nicht, wenn Sie selbst oder jemand in Ihrem Umfeld akut gefährdet ist.

Forschungsfragen und -perspektiven am DZPG

Aktuell beschäftigt sich das DZGP mit biologischen Mechanismen, die bei der Entstehung, der Diagnostik und der Behandlung einer Depression eine Rolle spielen. Außerdem werden Risiko- und Schutzfaktoren untersucht, die den Ausbruch psychischer Erkrankungen, zu denen auch die Depression gehört, begünstigen bzw. verhindern. Unter anderem wird untersucht, wie traumatische Erfahrungen, aber auch körperliche Erscheinungen wie Entzündungen mit depressiven Störungen zusammenhängen. Zusätzlich stehen wirksame Therapiemaßnahmen und deren individuelle Anpassung an die jeweiligen Bedürfnisse und mögliche Folgeerscheinungen der Erkrankung im Fokus der Forschung.