Pharmakotherapie - Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit

Therapien

Pharmakotherapie 

Die Pharmakotherapie ist ein wichtiger Baustein in der Behandlung psychischer Erkrankungen. Medikamente wie Antidepressiva, Antipsychotika und Stimmungsstabilisatoren können helfen, Symptome zu lindern und Therapieerfolge zu unterstützen – oft in Kombination mit Psychotherapie. Gleichzeitig erfordert ihr Einsatz eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und möglichen Nebenwirkungen.

Was ist Pharmakotherapie?

Die Pharmakotherapie stellt innerhalb eines Gesamtbehandlungsplans psychischer Erkrankungen einen Grundpfeiler der Therapie dar. Sie nutzt Medikamente, die auf das zentrale Nervensystem wirken. Diese Medikamente, wie Antidepressiva, Antipsychotika, Anxiolytika und Stimmungsstabilisatoren, beeinflussen Neurotransmitter im Gehirn, um die Symptome zu lindern.

Die Reaktion auf psychotrope Medikamente kann von Person zu Person variieren. Ärzte und Ärztinnen müssen die individuellen Bedürfnisse, den Gesundheitszustand und die genetischen Faktoren des Patienten berücksichtigen, um die richtige Medikation zu finden.

Pharmakotherapie wird oft in Kombination mit psychotherapeutischen Ansätzen wie kognitiver Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie oder anderen Formen der Psychotherapie eingesetzt. Diese Kombination kann synergistische Effekte erzielen und die Behandlungsergebnisse verbessern. Bei Erkrankungen schwereren Ausmaßes wird regelmäßig eine Kombinationstherapie empfohlen.

Anwendungsbeispiele

Depression
Antidepressiva werden häufig zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Sie können die Stimmung verbessern, den Antrieb steigern und Schlafstörungen beheben. Sie wirken auch bei einigen anderen psychischen Erkrankungen wie Angst- und Zwangsstörungen. Viele Antidepressiva sind auch für die Behandlung dieser Erkrankungen zugelassen.

Bipolare Störung
Stimmungsstabilisatoren werden zur Behandlung von bipolaren Störungen (manisch-depressiven Erkrankungen) eingesetzt, um Stimmungsschwankungen zu stabilisieren und manische Episoden zu dämpfen. 

Angststörungen
Anxiolytika werden zur Behandlung von Angststörungen eingesetzt, um Symptome wie übermäßige Sorgen, Panikattacken und Phobien zu reduzieren. Für die längerfristige Behandlung von Angststörungen sind Antidepressiva in der Regel besser geeignet als Tranquilizer aus der Gruppe der Benzodiazepine.

Psychotische Störungen
Antipsychotika werden bei psychotischen Störungen wie Schizophrenie eingesetzt, um Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Denkstörungen zu kontrollieren.

Herausforderungen und Vorsichtsmaßnahmen

Medikamente können Nebenwirkungen wie Sedierung, Schlafstörungen, Gewichtszunahme, sexuelle Dysfunktionen und emotionale Dämpfung verursachen.

Einige Medikamente können ein Abhängigkeitspotenzial haben. Ärzte müssen dies berücksichtigen, insbesondere wenn sie Medikamente mit einem hohen Missbrauchspotenzial verschreiben. 
Manche Medikamente erfordern eine langfristige Einnahme, und das Absetzen kann zu Entzugssymptomen oder Rückfällen führen. Daher ist eine sorgfältige Überwachung erforderlich. Entschließen sich Arzt und Patient zum Absetzen der Medikation, sollte die Reduktion der Dosis in der Regel langsam und in kleinen Schritten erfolgen.

Eine Pharmakotherapie ist gerade bei schwereren psychischen Erkrankungen eine wichtige Option zur Behandlung von psychischen Störungen im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans. Die Verwendung von Medikamenten erfordert jedoch eine genaue Abwägung der potenziellen Vorteile und Risiken sowie eine sorgfältige Überwachung durch qualifizierte Fachkräfte. Die Entscheidung für eine pharmakologische Behandlung sollte immer in Absprache mit qualifizierten Fachärztinnen getroffen werden.

Betroffenen-Perspektive

Stabileres Leben mit Medikamenten

„Ich befand mich in einem psychotischen Zustand ohne Krankheitseinsicht, als die Medikation begann. An die Aufklärung über das Medikament kann ich mich aus dieser Zeit nicht mehr erinnern – erst später in der Psychoedukation verstand ich die Informationen.

Die Neuroleptika haben mir schnell geholfen. Meine psychotischen Symptome verschwanden rasch, aber ich fühlte mich darunter emotional völlig abgeflacht. Was mich am meisten belastete, war das Gefühl, wie gegen eine unsichtbare Wand zu laufen – eine Nebenwirkung, die zum Glück nach einem Medikamentenwechsel verschwand.

Mittlerweile nehme ich seit 30 Jahren Medikamente, bei einer bipolaren Erkrankung müssen sie ständig angepasst werden. Es ist ein ständiges Austarieren zwischen Wirkung und Nebenwirkungen, aber die Medikamente ermöglichen mir ein stabileres Leben mit mehr Teilhabe.“

Angehörigen-Perspektive

Lebensqualität und Teilhabe steigern

„Gut, dass es mittlerweile eine Vielzahl von Medikamenten gibt, die lange Klinikaufenthalte und Fixierungen aufgrund schwerer psychischer Erkrankungen oftmals überflüssig machen und die Lebensqualität und die gesellschaftliche Teilhabe von Betroffenen steigern.

Wenn ich 30 Jahre zurückblicke, stelle ich mir als Angehörige heute noch die Frage: Was war schlimmer? Die Erkrankung oder die heftigen „Nebenwirkungen" der aus heutiger Sicht viel zu hoch dosierten und nicht immer leitliniengerecht verordneten Psychopharmaka?“

Die anonymisierten Erfahrungsberichte von Betroffenen und Angehörigen wurden über die Partizipations-Gremien des DZPG eingesammelt. 

Unterstützung

Wenn Sie Unterstützung suchen, gibt es verschiedene Anlaufstellen:

Fachärztinnen und -ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden Sie über das Suchportal der Bundesregierung: gesund.bund.de/suchen/aerztinnen-und-aerzte

Über Terminservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erhalten Sie Hilfe bei der Suche nach einem Termin für eine Behandlung: eterminservice.de/terminservice

Eine Übersicht und Suchmöglichkeit nach Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (NAKOS):
nakos.de/adressen/datenbanksuche

In akuten Krisen erhalten Sie auch außerhalb der Sprechzeiten schnelle und qualifizierte Hilfe rund um die Uhr über den medizinischen Notdienst (116 117)

Bei unmittelbarer Suizidgefahr rufen Sie bitte sofort den Notruf (112) an. Zögern Sie nicht, wenn Sie selbst oder jemand in Ihrem Umfeld akut gefährdet ist.

Forschungsfragen und -perspektiven am DZPG

Ein zentrales Forschungsfeld, das in den nächsten Jahren im DZPG bearbeitet und weiterentwickelt werden soll, ist die Verstärkung der Effekte einer Psychotherapie durch die Gabe von bestimmten Arzneimitteln („propsychotherapeutische Pharmakotherapie“ oder engl. „enhanced psychotherapy“). Zu diesen gehören zum Beispiel das Hormon Oxytocin, das als Partydroge bekannte Entactogen MDMA („Ecstasy“) oder das Psychedelikum Psilocybin (aus den sog. „Zauberpilzen“), aber auch nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren. Die biologischen, psychologischen und prosozialen Wirkungen dieser Substanzen sollen in neuen personalisierten Behandlungsansätzen optimal aufeinander abgestimmt werden. Neue pharmako- und psychotherapeutische Behandlungen und deren Kombinationen werden dann in multizentrischen Studien mit innovativen Studiendesigns geprüft.