Autismus - Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit

KRANKHEITSBILD

Autismus-Spektrum-Störungen

Als Autismus oder Autismus-Spektrum-Störungen werden Entwicklungsstörungen bezeichnet, die die Fähigkeiten zur Kommunikation und im sozialen Miteinander beeinträchtigen. Die therapeutische Unterstützung von autistischen Personen und deren Familien kann je nach Symptomen z. B. psychotherapeutische, ergotherapeutische, logopädische und verschiedene medizinische Behandlungen beinhalten. 

Die Besonderheiten autistischer Menschen und deren alltägliche Herausforderungen können sehr unterschiedlich sein. Autismus* wird daher heute als Spektrum angesehen und fachlich als Autismus-Spektrum-Störung bezeichnet. Allgemein kennzeichnen sich Autismus oder Autismus-Spektrum-Störungen durch Schwierigkeiten in sozialen Situationen und der Kommunikation, sowie sich wiederholende oder spezielle Verhaltensmuster und Interessen. Diese besonderen Herausforderungen autistischer Menschen können zu Missverständnissen mit anderen Menschen und zu Schwierigkeiten im Privatleben, in der Schule oder am Arbeitsplatz führen.  Viele autistische Menschen berichten beispielsweise, dass ihnen in sozialen Situationen Informationen entgehen, die z. B. Gesichtsausdrücke, Körperbewegungen oder die Art, wie etwas gesagt wird, betreffen. Außerdem gibt es auch autistische Personen, die gar nicht oder kaum sprachlich kommunizieren. Sich wiederholende oder ungewöhnliche Bewegungsmuster wie z. B. Schaukeln oder untypische Handbewegungen können auftreten. Oft gibt es auch bestimmte Gegenstände oder Themengebiete, für die ein spezielles Interesse besteht. Das Festhalten an bestimmten Abläufen gibt häufig Sicherheit, kann aber auch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, sodass andere Lebensbereiche darunter leiden können – auch das kommt häufig bei autistischen Menschen vor. Viele Menschen im Autismus-Spektrum reagieren besonders sensibel auf sensorische Reize, wie z. B. Lautstärke, Gerüche oder Berührungen, weshalb sie häufig unter erhöhten Anspannungszuständen leiden. 

 

*  Definition nach ICD. Siehe dazu auch: F84

Die genauen Ursachen von Autismus sind bisher nicht gänzlich geklärt. Autismus-Spektrum-Störungen haben jedoch eine starke familiäre Veranlagung. Auch weitere Faktoren wie z. B. das Alter der Eltern, Medikamenteneinnahme sowie Infektionskrankheiten der Mutter während der Schwangerschaft könnten die Entstehung von Autismus fördern. Impfungen sind nach aktuellem Wissensstand nicht als Ursache für Autismus anzusehen. 

Die therapeutische Unterstützung von autistischen Personen und deren Familien kann je nach Symptomen z. B. psychotherapeutische, ergotherapeutische, logopädische und verschiedene medizinische Behandlungen beinhalten.

Bei der psychotherapeutischen Unterstützung stehen häufige zusätzliche Erkrankungen wie Ängste, Zwangserkrankungen und Depressionen im Vordergrund. Bei der Therapie ist es wichtig, die Autismus-assoziierten Besonderheiten in sozialen, kognitiven und sensorischen Bereichen zu berücksichtigen.

Mehr Informationen zu Autismus: 

Betroffenen-Perspektive

Mein Alltag mit Autismus

„Ich bin anders, doch man kann es nicht sehen. Mein Leben lang habe ich gespürt, dass ich anders funktioniere als andere Menschen. Als Kind konnte ich mir nicht vorstellen, dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse und Wahrnehmungen haben könnten. Die Pubertät war eine extreme Herausforderung – plötzlich explodierten die sozialen Anforderungen, neue Erwartungen überrollten mich.”

„Die Jugend und Ausbildungszeit waren geprägt von Verstecken und Tarnung: Ich verbarg meine Schwierigkeiten, kämpfte unsichtbar gegen meine inneren Barrieren. Das Studium fühlte sich wie ein starres System an, in dem ich mich nur begrenzt zurechtfinden konnte. Die Diagnosephase war ein großer Kampf gegen Stereotype – aber auch eine Befreiung. Zum ersten Mal verstand ich mich selbst.”

„Mein soziales Leben ist minimal – ich brauche viel Rückzug, viel Energie für andere Lebensbereiche. Dafür sind meine Spezialinteressen meine Welt: Sie sind wie eine innere Party, erfüllen mich mit Freude und Kompetenz. Ich möchte nicht anders sein, ich bin einfach ich.”

Angehörigen-Perspektive

Mein Alltag mit Autismus

„Meine Kinder mit Autismus waren schon immer anders als andere Kinder. Von Beginn an merkten wir, dass gängige Erziehungsmethoden nicht griffen. Die Pubertät war eine immense Herausforderung – die Hormonschwankungen verschmolzen mit den autistischen Besonderheiten und erschufen eine Zeit intensiver Anspannung für uns alle.”

„Die Ausbildungsphase war von Kämpfen geprägt. Es war schmerzhaft zu beobachten, wie viele Steine meinen Kindern in den Weg gelegt wurden. Die Diagnosephase zog sich über Monate hin, und jahrelang wurde das eigentliche Problem nicht erkannt – ein langer Leidensweg für die ganze Familie.”

„Unsere soziale Welt war eingeschränkt – ich traf Freunde außerhalb des Hauses, um meinen Kindern einen sicheren Rückzugsort zu bieten. Heute verstehe ich meine Kinder besser, erlebe sie als sehr kompetente Menschen mit großem Mut und Kampfgeist.”

Die anonymisierten Erfahrungsberichte von Betroffenen und Angehörigen wurden über die Partizipations-Gremien des DZPG eingesammelt.

Unterstützung

Wenn Sie Unterstützung suchen, gibt es verschiedene Anlaufstellen:

Fachärztinnen und -ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden Sie über das Suchportal der Bundesregierung: gesund.bund.de/suchen/aerztinnen-und-aerzte

Über Terminservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erhalten Sie Hilfe bei der Suche nach einem Termin für eine Behandlung: eterminservice.de/terminservice

Eine Übersicht und Suchmöglichkeit nach Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (NAKOS):
nakos.de/adressen/datenbanksuche

In akuten Krisen erhalten Sie auch außerhalb der Sprechzeiten schnelle und qualifizierte Hilfe rund um die Uhr über den medizinischen Notdienst (116 117)

Bei unmittelbarer Suizidgefahr rufen Sie bitte sofort den Notruf (112) an. Zögern Sie nicht, wenn Sie selbst oder jemand in Ihrem Umfeld akut gefährdet ist.

Forschungsfragen und -perspektiven am DZPG

Am DZPG wollen wir Autismus noch besser verstehen. Hierzu betrachten wir unter anderem die neurophysiologischen Besonderheiten, die mit Autismus in Verbindung gebracht werden können. Forschungsfragen sind hierbei, ob bestimmte neurophysiologische Besonderheiten das Auftreten oder Ausbleiben bestimmter Symptome begleiten oder sogar vorhersagen können.

Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim bietet das Zentrum für Innovative Psychiatrie- und Psychotherapieforschung (ZIPP) die Möglichkeit, im Magnetoenzephalographen verhältnismäßig geräusch- und berührungsarme neurowissenschaftliche Untersuchungen mit autistischen Personen durchzuführen.