Psychotherapie - Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit

Therapien

Psychotherapie

Psychotherapie hilft, seelische Belastungen zu bewältigen, Verhaltensweisen zu verändern und die Lebensqualität zu verbessern. Ob Angst, Depression oder langanhaltender Stress – durch gezielte Methoden lernen Betroffene, ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen positiv zu beeinflussen.

Was ist psychotherapie?

Psychotherapie ist ein Oberbegriff für alle Formen der Behandlung von psychischen Störungen, Krankheiten und Leidenszuständen mit psychologischen Mitteln. Bei der geplanten und strukturierten Behandlung arbeiten Therapeut und Patient zusammen. Sie basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, wie psychische Probleme entstehen und bestehen bleiben. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung, verschiedene Gesprächstechniken, praktische Übungen, körperbezogene Methoden und viele Ansätze, um Gedanken, Gefühle und Verhalten positiv zu verändern. Eine Psychotherapie kann mit Einzelpersonen, Paaren, Familien oder in Gruppen durchgeführt werden.

Ziele und Anwendung

Psychotherapien haben folgende Ziele:

Linderung und/oder Heilung von Störungen, Krankheiten und Leidenszuständen
Ziel ist es, belastende psychische Symptome zu lindern oder Persönlichkeitsänderungen zu erreichen sowie die Auswirkungen psychischer Probleme zu verringern.

Problemlösung und Veränderung
Durch Psychotherapie können Menschen neue Wege finden, um mit Problemen umzugehen, Verhaltensweisen zu ändern und emotionale Belastungen zu bewältigen.

Verbesserung der Lebensqualität
Ziel ist es, das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern, indem belastende Zustände verändert oder besser bewältigt werden.

Entwicklung von Selbstverständnis und Selbstmanagement
Psychotherapie unterstützt Menschen dabei, sich selbst besser zu verstehen, eigene Gefühle zu identifizieren und angemessen mit ihnen umzugehen. Sie fördert das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten, schwierige und herausfordernde Situationen besser zu meistern.

Stärkung von Beziehungen
Psychotherapie kann auch dazu beitragen, zwischenmenschliche Beziehungen zu verbessern, indem sie Kommunikationsmuster und Interaktionen innerhalb von Familien oder Paaren neu strukturiert.

Methoden und Ansätze

In Deutschland werden vier Arten von Psychotherapie von der Krankenkasse erstattet: kognitive Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte und systemische Therapie. Jeder Ansatz beruht auf unterschiedlichen Erklärungsmodellen und hat eigene Techniken und Methoden.

Kognitive Verhaltenstherapie
Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) baut auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Entstehung, Aufrechterhaltung und Veränderung von Störungen, Krankheiten und Leidenszuständen auf. Ihre Wirksamkeit ist für alle Altersgruppen und weit über das Therapieende hinaus wissenschaftlich sehr gut belegt. Je nach Beschwerden gibt es spezielle Behandlungsmethoden. Die KVT ist praktisch ausgerichtet und hilft dabei, das Gelernte auch im Alltag anzuwenden, nicht nur in der Therapie. Sie dauert meist nicht lange, ist für die Patienten gut nachvollziehbar und unterstützt sie dabei, sich selbst zu helfen.

Tiefenpsychologisch fundierte Therapie (TP)
Diese Therapieform konzentriert sich auf die Aufarbeitung belastender Erfahrungen, die mit aktuellen Problemen in Verbindung stehen. Die Therapie ist meist thematisch fokussiert und zeitlich begrenzter als die klassische Psychoanalyse. Durch das Bewusstmachen und Verarbeiten dieser unbewussten Konflikte sollen neue Lösungswege entstehen.

Analytische Therapie (Psychoanalyse)
Die Psychoanalyse geht tiefer und ist langfristiger angelegt. Sie zielt darauf ab, unbewusste Muster und innere Konflikte aufzudecken, die sich über Jahre hinweg entwickelt haben. Häufig wird sie mehrmals pro Woche durchgeführt und nutzt Methoden wie die freie Assoziation und Traumdeutung, um verborgene psychische Prozesse zu erforschen.

Systemische Therapie
Die systemische Therapie betrachtet Probleme nicht als die individuellen Probleme einzelner Menschen, sondern als Problem eines Systems, meistens der Familie. Dementsprechend sollen die Beziehungen und Interaktionen untereinander dahingehend verändert werden, dass die betroffenen Familienmitglieder gesund werden können.

Andere Therapieverfahren
Neben den vier Richtlinienverfahren gibt es weitere Ansätze, der prominenteste darunter ist die humanistische Therapie (Gesprächspsychotherapie, Gestaltpsychotherapie). Diese Therapieform wird in Deutschland nicht von den Krankenkassen erstattet. Ihre Theorien und Methoden hatten aber großen Einfluss auf die oben genannten Therapien.

Wer profitiert von Psychotherapie?

Psychotherapie kann Menschen jeden Alters mit unterschiedlichen Störungen helfen, von neu aufgetretenen Belastungen bis hin zu langanhaltenden psychischen Erkrankungen. Sie ist für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen geeignet. Studien zeigen, dass die Wirksamkeit von Psychotherapie auch noch viele Jahre nach Therapieende anhält. Für viele psychische Störungen ist sie die Behandlungsmethode der ersten Wahl. Sie kann auch in Kombination mit anderen Maßnahmen wie Medikamenten, Sport, Lebensstilveränderungen etc. eingesetzt werden. Von Psychotherapie profitieren Menschen mit unterschiedlichen Störungen und häufig auch ihre Familienmitglieder. Psychotherapeutische Verfahren werden kontinuierlich wissenschaftlich auf ihre kurz- aber v.a. auf ihre langfristige Wirksamkeit untersucht und weiterentwickelt. 

Mehr Informationen zu Psychotherapie

Betroffenen-Perspektive

Psychotherapie

„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal eine Psychotherapie machen würde. Lange Zeit habe ich mir eingeredet, dass ich meine Probleme selbst lösen kann. Doch irgendwann wurde der Druck zu groß: Schlaflosigkeit, ständige Grübeleien und das Gefühl, nicht gut genug zu sein, bestimmten meinen Alltag.

Der erste Schritt war schwer. Allein die Entscheidung, Hilfe zu suchen, fühlte sich wie eine Niederlage an. Doch ich merkte schnell: Es geht nicht darum, „krank" oder „schwach" zu sein – sondern darum, sich selbst besser zu verstehen und neue Wege zu finden, mit Herausforderungen umzugehen. Die Therapie zielte genau darauf ab, meine eigenen Problemlösungsfähigkeiten zu stärken.

In der Therapie habe ich gelernt, meine Gedanken zu hinterfragen und meine Gefühle anzunehmen, anstatt sie zu unterdrücken. Besonders hilfreich waren für mich die praktischen Übungen, die ich auch im Alltag anwenden konnte. Es war ein Prozess mit Höhen und Tiefen, aber nach und nach habe ich Veränderungen gemerkt: Ich wurde achtsamer, konnte meine Ängste besser einordnen und begann, mich selbst nicht mehr so hart zu verurteilen.

Mein Rat an alle, die zögern: Traut euch. Psychotherapie ist kein Zeichen von Schwäche – sie ist eine Chance, sich selbst und das eigene Leben bewusster und mit mehr Mitgefühl zu leben. Es lohnt sich. “

Betroffenen-Perspektive

Psychotherapie und Essstörung

„Ich kann nicht genau sagen, wann alles angefangen hat. Vielleicht war es der eine Kommentar über mein Aussehen, der sich in meinen Kopf eingebrannt hat. Oder das Gefühl, dass ich die Kontrolle über mein Leben verliere und mein Körper das Einzige ist, was ich noch steuern kann. Was harmlos begann – „Ich esse einfach ein bisschen gesünder" – wurde irgendwann zu strengen Regeln, Kalorienzählen und einer ständigen Angst vor dem Essen.

Anfangs dachte ich, ich hätte alles unter Kontrolle. Doch in Wahrheit kontrollierte die Essstörung mich. Als mein Arzt mir sagte, dass ich eine Therapie beginnen sollte, hatte ich Panik. Therapie bedeutete Veränderung. Und Veränderung bedeutete, gegen die Stimme in meinem Kopf anzukämpfen, die mir ständig einflüsterte, dass ich nur wertvoll bin, wenn ich dünn bin.

In der Therapie war es am Anfang schwer. Ich fühlte mich, als hätte ich versagt, weil ich Hilfe brauchte. Aber meine Therapeutin zeigte mir, dass meine Essstörung kein Zeichen von Schwäche ist, sondern ein Ausdruck von etwas Tieferem – Unsicherheit, das Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Mit der Zeit lernte ich, meine Gedanken zu hinterfragen, meine Emotionen nicht mit Essen oder Hungern zu betäuben und wieder zu spüren, was mein Körper wirklich braucht. Es war kein leichter Weg. Es gab Rückschläge. Aber ich bin auf dem Weg der Genesung. Jeder Tag, an dem ich auf meine Gesundheit achte und freundlicher zu mir selbst bin, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Die anonymisierten Erfahrungsberichte von Betroffenen und Angehörigen wurden über die Partizipations-Gremien des DZPG eingesammelt. 

Unterstützung

Wenn Sie Unterstützung suchen, gibt es verschiedene Anlaufstellen:

Fachärztinnen und -ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden Sie über das Suchportal der Bundesregierung: gesund.bund.de/suchen/aerztinnen-und-aerzte

Über Terminservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erhalten Sie Hilfe bei der Suche nach einem Termin für eine Behandlung: eterminservice.de/terminservice

Eine Übersicht und Suchmöglichkeit nach Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (NAKOS):
nakos.de/adressen/datenbanksuche

In akuten Krisen erhalten Sie auch außerhalb der Sprechzeiten schnelle und qualifizierte Hilfe rund um die Uhr über den medizinischen Notdienst (116 117)

Bei unmittelbarer Suizidgefahr rufen Sie bitte sofort den Notruf (112) an. Zögern Sie nicht, wenn Sie selbst oder jemand in Ihrem Umfeld akut gefährdet ist.

Forschungsfragen und -perspektiven am DZPG

Die Forschungsbemühungen am DZPG beziehen sich u.a. auf folgende Punkte:

Wirkweise
Wirkung von Psychotherapien (Wirkmechanismen) besser verstehen

Passung
Wer profitiert von welcher Therapieform?

Translation und Rücktranslation
Wie können wissenschaftlich gut belegte Psychotherapien in die Routinepraxis überführt werden? 

Lebenswelten
Wie können Psychotherapien besser in die Lebenswelten Schule, Arbeit etc. integriert werden?

Kosten- Nutzen Verhältnis
Wie kann man den kurz- und langfristigen Nutzen von Psychotherapien in Relation zu den Kosten setzen?

Transgenerationale Psychotherapie
Wirkung von Psychotherapien über die Generationsgrenze hinweg.