Der Begriff „Sucht“ umfasst neben den Abhängigkeitserkrankungen auch unterschiedliche problematische Verhaltensweisen, die riskant, missbräuchlich und abhängigkeitsfördernd sein können. Suchtmittel können stoffgebundene Drogen wie Alkohol oder Cannabis, aber auch nicht stoffgebundene Aktivitäten sein, etwa Glücksspiel und exzessive Internetnutzung. In Deutschland sind 1,6 Millionen Menschen alkoholabhängig und 2,3 Millionen abhängig von Medikamenten.
Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO müssen drei der folgenden Merkmale für einen Zeitraum von 12 Monaten vorliegen, damit eine Abhängigkeitserkrankung diagnostiziert werden kann:
Abgesehen von sozialen Problemen, finanziellen Schwierigkeiten und Problemen im familiären Umfeld, führen Abhängigkeitserkrankungen zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen. Je nach Suchtmittel treten dabei unterschiedliche körperliche Schäden und psychische Störungen auf. Beispielsweise kann es bei der Einnahme von Kokain und Ecstasy zu Herz-Kreislauf-Problemen kommen. Hoch dosiert können diese Drogen sogar zu einem Herzstillstand oder dem plötzlichen Herztod führen. Psychische Folgeerscheinungen umfassen beim Konsum von Cannabis etwa Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme sowie ein erhöhtes Risiko für Psychosen. Wer Opiate wie Heroin einnimmt, durchlebt häufig Depressionen und Angstzustände; ebenso können sich Persönlichkeitsstörungen entwickeln.
Ob sich aus dem gelegentlichen Konsum von Alkohol, Drogen oder Glücksspiel ein Missbrauch oder eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Dazu gehören die spezifische Wirkung des Suchtmittels, die individuellen Eigenschaften der Person und soziale Faktoren, wie der Umgang mit Suchtmitteln im Freundeskreis oder der Familie. Ebenso können traumatische Ereignisse, wie Misshandlung oder der Verlust geliebter Personen dazu führen, dass Suchtmittel eingesetzt werden, um diese schweren Erfahrungen zu bewältigen. Persönlichkeitsmerkmale, die einen Missbrauch fördern, sind beispielsweise eine allgemein negative Einstellung, mangelnde Impulskontrolle und geringes Selbstwertgefühl, soziale Verhaltensschwierigkeiten und ein Defizit an Lösungsstrategien für Probleme.
Die Behandlung von Sucht und Abhängigkeitserkrankungen erfordert ein ganzheitliches Konzept, das medizinische, psychologische und soziale Ansätze umfasst. Dies kann Entgiftung, medikamentöse Therapien, Psychotherapie, Beratung, Unterstützung in Selbsthilfegruppen und Rehabilitation beinhalten. Psychotherapeutische Behandlungen spielen insbesondere bei der Entwöhnung eine zentrale Rolle. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt dabei als die am umfassendsten erforschte und effektivste psychotherapeutische Methode in der Behandlung von Suchterkrankungen.
Präventionsstrategien konzentrieren sich auf Aufklärung, Früherkennung, Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten, Förderung eines gesunden Lebensstils und die Verringerung von Risikofaktoren.
Mehr Informationen zu Sucht und Abhängigkeitserkrankungen:
„Meine Abhängigkeit entwickelte sich schleichend. Am Anfang standen gelegentlicher Konsum und die scheinbar positive Wirkung des Alkohols. Doch nach und nach wurden die typischen Anzeichen einer Suchterkrankung unübersehbar: der ständige Drang zu trinken, die immer schlechtere Kontrolle über Menge und Zeitpunkt des Konsums, und schließlich die körperlichen Entzugssymptome, wenn ich versuchte aufzuhören. Soziale Kontakte und andere Interessen traten in den Hintergrund, während Alkohol zum Mittelpunkt meines Lebens wurde.“
„Mein Weg aus der Alkoholabhängigkeit begann vor 34 Jahren mit einer erfolgreichen Entwöhnungsbehandlung. Ich habe gelernt, dass die Behandlung einer Suchterkrankung ein ganzheitliches Konzept erfordert – mit medizinischer Hilfe, psychotherapeutischer Unterstützung und sozialer Einbindung. Die anhaltende Abstinenz wurde durch mein ehrenamtliches Engagement möglich. Der Kontakt zu anderen Betroffenen, Therapeuten und Wissenschaftlern gibt mir bis heute Halt.“
„Der Lohn der Abstinenz sind eine bessere Lebensqualität, keine Angst mehr vor alkoholbedingten Unannehmlichkeiten sowie Mut und Kraft für Veränderungen. Jeder Tag ohne Alkohol ist für mich ein Erfolg, und ich weiß heute, dass der Weg aus der Sucht zwar herausfordernd, aber mit der richtigen Unterstützung möglich ist.
Die anonymisierten Erfahrungsberichte von Betroffenen und Angehörigen wurden über die Partizipations-Gremien des DZPG eingesammelt.
Wenn Sie Unterstützung suchen, gibt es verschiedene Anlaufstellen:
Fachärztinnen und -ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden Sie über das Suchportal der Bundesregierung: gesund.bund.de/suchen/aerztinnen-und-aerzte
Über Terminservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erhalten Sie Hilfe bei der Suche nach einem Termin für eine Behandlung: eterminservice.de/terminservice
Eine Übersicht und Suchmöglichkeit nach Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (NAKOS): nakos.de/adressen/datenbanksuche
In akuten Krisen erhalten Sie auch außerhalb der Sprechzeiten schnelle und qualifizierte Hilfe rund um die Uhr über den medizinischen Notdienst (116 117)
Bei unmittelbarer Suizidgefahr rufen Sie bitte sofort den Notruf (112) an. Zögern Sie nicht, wenn Sie selbst oder jemand in Ihrem Umfeld akut gefährdet ist.
Die wesentlichen Forschungsfragen im Bereich der Suchtforschung beziehen sich auf die Identifikation von Risiko- und Resilienzfaktoren für die Entstehung und den Verlauf von Suchterkrankungen. Darauf basierend sollen individuell passgenaue Präventions- und Behandlungsstrategien entwickelt werden. Wir nutzen dazu ökologisch valide Smartphone-basierte Erhebungen im alltäglichen Leben, strukturelle und funktionelle Hirnbildgebungsverfahren sowie Methoden der Molekularbiologie, der experimentellen Psychopharmakologie, der virtuellen Realität und der künstlichen Intelligenz. In der klinischen Translation arbeiten wir von der Therapieentwicklung über die Evidenzbasierung bis zur Integration in die aktuellen medizinischen Behandlungsleitlinien.