Schlafstörungen - Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit

KRANKHEITSBILD

Schlafstörungen

Menschen, die an Schlafstörungen leiden, fühlen sich am nächsten Morgen nicht ausreichend erholt. Sie haben Probleme einzuschlafen, wachen mitten in der Nacht oder morgens früh auf, ehe der Wecker klingelt. Ein unruhiger Schlaf kann zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen führen.

Wenn jemand öfter Probleme hat, einzuschlafen oder durchzuschlafen, und sich am nächsten Tag müde und schwach fühlt, spricht man von einer Schlafstörung*. Diese kann verschiedene Symptome haben, zum Beispiel Schlaflosigkeit, Atempausen während des Schlafs (Schlafapnoe) oder ungewöhnliches Verhalten im Schlaf, wie Schlafwandeln oder Albträume.
Schlafstörungen können die Leistungsfähigkeit während des Tages beeinträchtigen, zu erhöhter Reizbarkeit, Gedächtnisproblemen und anderen gesundheitlichen Beschwerden führen. Langfristig steigt das Risiko für Herzerkrankungen, Zuckerkrankheit (Diabetes) und andere chronische Erkrankungen.


*  Definition nach ICD. Siehe dazu auch G47 

Die Ursachen für Schlafstörungen sind vielfältig. Sie können bei psychischen Erkrankungen (häufig bei Depressionen oder Angststörungen), körperlichen Beschwerden, durch bestimmte Medikamente oder nach dem Konsum von Kaffee, Nikotin, Alkohol sowie bei ungesunden Schlafgewohnheiten auftreten. Unter Umständen können sich Schlafstörungen auch als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen zeigen. 

Wie Schlafstörungen behandelt werden, hängt davon ab, wie ausgeprägt sie sind und welche Ursachen ihnen zugrunde liegen. Veränderungen im Lebensstil, Beachtung einer guten Schlafhygiene, schlafspezifische Psychotherapie oder Medikamente können Teil der Therapie sein. In einigen Fällen kann auch eine spezialisierte Diagnostik in einem Schlaflabor und daraus folgend bei obstruktiver Schlafapnoe die Anwendung von CPAP-Geräten (Continuous Positive Airway Pressure, kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck) erforderlich sein. Gesunde Schlafgewohnheiten, Stressbewältigung und die Behandlung von Gesundheitszuständen, die den Schlaf beeinträchtigen können, sind wichtige Maßnahmen, um Schlafstörungen vorzubeugen.

Mehr Informationen zu Schlafstörungen: 

Betroffenen-Perspektive

Mein Alltag mit Schlafstörung

„Mit Schlafstörung zu leben, ist für mich ein ständiges „Workaround“, mit dem ich versuche, die Probleme zu meistern. Termine am frühen Morgen sind jedes Mal eine große Herausforderung für mich. Um diese wahrzunehmen, muss ich meinen Tages- und Nachtrhythmus anpassen, sodass es mir gelingt, rechtzeitig aufzustehen.“

„Schlafstörungen traten bei mir erstmals mit meiner zweiten akuten Psychose auf. Während dieser Zeit, inmitten meines ersten Studiums, war ich oftmals bis spät in die Nacht wach, wobei ich auch dann am nächsten Tag sehr früh aufstehen musste. Davor, zur Schulzeit und in der Anfangszeit dieses Studiums, hatte ich kaum Schlafprobleme. Und auch danach, zur Zeit meiner späteren Ausbildung, im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation, hat es mir damals geholfen, dass ich rechtzeitig ins Bett gegangen bin, weil ich wusste, dass am nächsten Morgen regelmäßig früh mein Wecker wieder klingelt.“

„Kraft gibt mir, wenn ich etwas erreiche, etwas schaffe, das ich mir vorgenommen habe, wenn gute Dinge passieren. Das können Hobbys sein, das kann eine nette Begegnung mit unterschiedlichen Menschen sein. Kleine Dinge können wichtig für mich sein.“

Angehörigen-Perspektive

Mein Alltag mit Schlafstörung

„Seit längerer Zeit leidet meine Frau an schweren Schlafstörungen. Abends um neun ist sie todmüde, ab Mitternacht regelmäßig wach. Die Wachzeit verleitet zum Lesen oder Musikhören oder aber auch, Tagesprobleme zu umkreisen und trotz Bemühung dabei keine Lösung zu finden. Oft schläft sie schließlich erschöpft ein – ohne die Chance, am nächsten Morgen ausgeruht und gestärkt in den Tag zu starten.“

„Lange Zeit fühlte ich mich schuldig wegen meiner lauten Atemgeräusche, aber seit ich eine Atem-Schlafmaske nachts trage, ist es auf meiner Seite des Bettes ruhig und die Störung kommt nicht mehr von mir.“

„Ein Besuch bei einer Psychologin brachte den Hinweis, die belastenden Gedanken aufzuschreiben und am nächsten Tag nach einer Lösung zu suchen. Leider funktionierte dieser Ansatz nicht. Der nächste Schritt war der Griff zu beruhigenden Medikamenten. Eine leichte Medikation zeigte zunächst gute Wirkung.  Bei länger anhaltendem Problem leidet meine Frau allerdings nach wie vor unter Schlafstörungen.“

„Um guten Schlaf zu fördern, habe ich als hilfreich erlebt: keine Mobilgeräte wie Smartphone oder Tablet in der Nähe des Bettes. So gerät man nicht in Versuchung, Nachrichten zu lesen oder zu beantworten – und den Geist dadurch so zu aktivieren, dass an Einschlafen nicht mehr zu denken ist.“

Die anonymisierten Erfahrungsberichte von Betroffenen und Angehörigen wurden über die Partizipations-Gremien des DZPG eingesammelt.

Unterstützung

Wenn Sie Unterstützung suchen, gibt es verschiedene Anlaufstellen:

Fachärztinnen und -ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden Sie über das Suchportal der Bundesregierung: gesund.bund.de/suchen/aerztinnen-und-aerzte

Über Terminservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erhalten Sie Hilfe bei der Suche nach einem Termin für eine Behandlung: eterminservice.de/terminservice

Eine Übersicht und Suchmöglichkeit nach Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (NAKOS):
nakos.de/adressen/datenbanksuche

In akuten Krisen erhalten Sie auch außerhalb der Sprechzeiten schnelle und qualifizierte Hilfe rund um die Uhr über den medizinischen Notdienst (116 117)

Bei unmittelbarer Suizidgefahr rufen Sie bitte sofort den Notruf (112) an. Zögern Sie nicht, wenn Sie selbst oder jemand in Ihrem Umfeld akut gefährdet ist.

Forschungsfragen und -perspektiven am DZPG

Das DZPG entwickelt verbesserte Psychotherapien, die personenbezogen helfen sollen, Schlafprobleme früh zu erkennen und zu beseitigen. Man weiß, dass traumatische Erlebnisse zu Schlafstörungen führen und die Impulskontrolle beeinträchtigen können. Darum wird im Rahmen des Trauma-Schwerpunktes des DZPG auch der Zusammenhang zwischen früher Traumatisierung und gestörter Regulation von Stimmung untersucht.