ERC Advanced Grant für Andreas Meyer-Lindenberg: Wie hängen Hitze und aggressives Verhalten zusammen? - Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit
Forschung

ERC Advanced Grant für Andreas Meyer-Lindenberg: Wie hängen Hitze und aggressives Verhalten zusammen?

Warum verlieren Menschen bei großer Hitze schneller die Geduld? Dieser Frage geht DZPG-Wissenschaftler Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim mit einem der renommiertesten europäischen Forschungspreise auf den Grund: Der Europäische Forschungsrat (ERC) fördert sein Projekt HOTHEAD mit einem Advanced Grant in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

Ein uraltes Phänomen, kaum verstanden

„Hitzkopf", „hitzige Debatte", „brodelnde Stimmung" – die Alltagssprache ahnt schon lange, was Zahlen inzwischen belegen: Hohe Temperaturen gehen mit mehr Gewaltverbrechen, mehr Suiziden und einer erhöhten Kriegsgefahr einher. Die gesellschaftlichen Kosten von Gewalt belaufen sich weltweit auf mehr als zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Mit dem fortschreitenden Klimawandel droht dieses Problem zu wachsen. Doch bislang ist kaum verstanden, was im Gehirn geschieht, wenn die Hitze Aggressionen schürt.

Genau hier setzt HOTHEAD an. Über fünf Jahre wollen Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg und sein Team am ZI (DZPG-Standort Mannheim-Heidelberg-Ulm) erstmals die neurobiologischen Mechanismen aufklären, die Hitze und Aggression miteinander verbinden.

Vom Tiermodell zum Stadtplan

Der Forschungsansatz ist bewusst breit angelegt. Dass nicht nur Menschen, sondern auch Mäuse, Ratten, Hunde und Fische bei steigenden Temperaturen aggressiver werden, deutet auf einen evolutionär alten, gemeinsamen biologischen Mechanismus hin. Das Team untersucht daher sowohl im Tiermodell als auch beim Menschen mittels hochauflösender Magnetresonanztomographie (7-Tesla-fMRT), welche Hirnregionen für Bedrohungswahrnehmung, aggressive Erregung und deren Hemmung zuständig sind, und wie Hitze in diese Schaltkreise eingreift.

Parallel dazu verfolgt das Projekt 400 Personen über ein Jahr im Alltag. Smartphone-Sensoren, Hautthermometer und Smart Rings erfassen bei ihnen, wie Hitzebelastung Stress, zwischenmenschliche Nähe und aggressives Verhalten beeinflusst. Mithilfe künstlicher Intelligenz sollen aus diesen Daten unterschiedliche Reaktionstypen identifiziert werden: bspw. Menschen, die bei Hitze vor allem unter Stress leiden, und solche, deren Selbstkontrolle nachlässt. In randomisierten Studien wird dann geprüft, ob digitale Interventionen diese Reaktionen gezielt abmildern können.

Am Ende des Projekts soll ein weltweit einsetzbares digitales Werkzeug stehen, das Kommunen bei der Planung hitzeresilienter Städte und Infrastrukturen unterstützt.

„Mit HOTHEAD wollen wir erstmals zeigen, welche Mechanismen im Gehirn Hitze und Aggression miteinander verknüpfen“, sagt Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg. Wenn wir diese Mechanismen verstehen, können wir wirksame Strategien entwickeln, mit denen Menschen und Städte den Folgen einer wärmeren Welt begegnen können."

Quelle: Pressemitteilung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim

Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg
Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg