Die Ergebnisse zeichnen ein besorgniserregendes Bild der Versorgungssituation. Viele junge Menschen zweifeln daran, dass ihre Probleme "schlimm genug" für eine Psychotherapie sind. Hinzu kommen das Gefühl, die eigenen Probleme allein bewerkstelligen zu müssen, und Scham im Umgang mit psychischen Belastungen.
Die Studie identifiziert mehrere Risikogruppen, die häufiger von einem unerfüllten Hilfebedarf berichten. Dazu zählen Personen mit depressiven oder Angstsymptomen, junge Erwachsene mit eingeschränkter psychischer Lebensqualität, Personen mit niedrigem subjektivem sozialen Status und Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz; außerdem waren Frauen mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. Besonders problematisch ist, dass gerade diejenigen, die am dringendsten Unterstützung benötigen würden, diese häufig nicht in Anspruch nehmen.
Regionale Versorgungsdichte spielt untergeordnete Rolle
Überraschend ist, dass regionale Faktoren wie die Dichte an Psychotherapeuten oder die sozioökonomische Situation eines Kreises keinen signifikanten Einfluss auf die Inanspruchnahme zeigen. Dies deutet darauf hin, dass strukturelle Maßnahmen wie der Ausbau von Therapieplätzen allein nicht ausreichen.
Die Studienautoren empfehlen einen Strategiewechsel in der Präventionsarbeit. So sollten junge Erwachsene besser dabei unterstützt werden, psychische Belastungen zu erkennen und einzuordnen. Negative Einstellungen gegenüber psychotherapeutischer Hilfe müssten aktiv abgebaut werden. Auch die Zugänge zur Versorgung sollten vereinfacht und bekannter gemacht werden. Die Präventionsstrategien sollten dabei die unterschiedlichen Bedarfe von Frauen und Männern berücksichtigen.
Die JEPSY-Studie basiert auf Daten von ehemaligen Teilnehmenden der KiGGS-Studie.
Publikation: Birgel V, Gellert P, Hölling H, Kuhnert R, Michalski N, Rapp M, et al. Barrieren der Inanspruchnahme psychotherapeutischer Versorgung junger Erwachsener: Individuelle und regionale Einflussfaktoren. Journal of Health Monitoring. 2025;10(4):e13532. doi: 10.25646/13532