Social-Media-Sucht: Junge Generation besonders gefährdet - Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit
Forschung

Social-Media-Sucht: Junge Generation besonders gefährdet

Wie intensiv nutzen Menschen in Deutschland soziale Medien – und welche Folgen hat das? Dieser Frage ist das Deutsche Gesundheitsbarometer, eine neue bundesweite Online-Plattform des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) und des Forschungs- und Behandlungszentrums für psychische Gesundheit (FBZ) der Ruhr-Universität Bochum, in einer groß angelegten Erhebung nachgegangen. Zwischen September 2024 und November 2025 wurden mehr als 22.000 Personen ab 18 Jahren befragt. Das Ergebnis ist alarmierend: Über ein Viertel aller Befragten weist ein suchtartiges Nutzungsverhalten der sozialen Medien auf.

Die Befunde gewinnen aktuell Brisanz vor dem Hintergrund internationaler Entwicklungen: Gestern ist in Australien ein weitreichendes Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige in Kraft getreten – ein Schritt, der weltweit Diskussionen über den Jugendschutz im digitalen Raum ausgelöst hat.

„Australien hat die Nutzung von sozialen Medien für unter 16-Jährige verboten und auch in Deutschland wird ein solches Verbot derzeit intensiv diskutiert“, sagt Prof. Dr. Julia Brailovskaia vom FBZ und DZPG. „Befunde des Deutschen Gesundheitsbarometers des DZPG zeigen: Fast die Hälfte der jungen Deutschen weist Suchtsymptome auf, die die psychische Gesundheit beeinträchtigen können.“

Ausgeprägte Suchttendenz – besonders bei jungen Menschen

So zeigen nach der international anerkannten Bergen Social Media Scale mehr als ein Viertel (27,6 Prozent) der Nutzenden eine suchtartige Nutzung sozialer Medien. Frauen sind mit 29 Prozent etwas häufiger betroffen als Männer (25,4 Prozent). Besonders alarmierend: Unter den unter 20-Jährigen zeigt mehr als die Hälfte (51,3 Prozent) deutliche Suchtsymptome, bei den 20- bis 39-Jährigen sind es 34,9 Prozent.

Die Folgen können erheblich sein – von Konzentrationsproblemen über Schlafstörungen bis hin zu verstärkten psychischen Belastungen.

Internationale Entwicklungen: Australien führt Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ein

In Australien dürfen Minderjährige seit Kurzem nur noch mit Altersnachweis und elterlicher Zustimmung auf Social-Media-Plattformen zugreifen. Die australische Regierung begründet diesen Schritt mit dem Schutz der psychischen Gesundheit junger Menschen und verweist auf steigende Sucht- und Belastungssymptome – Entwicklungen, die das Deutsche Gesundheitsbarometer auch für die Bundesrepublik beobachtet.

Social Media sind in Deutschland ein Teil des Alltags

Laut den Ergebnissen gehören soziale Medien für nahezu alle Erwachsenen zum Alltag. Über 96 Prozent der Deutschen nutzen Plattformen wie Instagram, TikTok oder Messenger-Dienste – im Schnitt drei Stunden und 18 Minuten täglich. Besonders junge Menschen verbringen deutlich mehr Zeit online: Unter 20-Jährige nutzen soziale Medien gut vier Stunden pro Tag, während über 80-Jährige etwa zwei Stunden online sind. Frauen sind dabei etwas länger aktiv als Männer. Auch regional zeigen sich Unterschiede. Hamburg und Berlin liegen mit mehr als vier Stunden täglicher Nutzung an der Spitze, während Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern mit rund drei Stunden am wenigsten Zeit in sozialen Medien verbringen.

Was helfen kann: Digital-Detox und stärkere Offline-Aktivitäten

Um negativen Langzeitfolgen vorzubeugen, empfiehlt das Forschungsteam konkrete Maßnahmen. „Schon 30 Minuten weniger Social Media pro Tag verbessern die psychische Gesundheit spürbar“, so Brailovskaia. Besonders wirksam sei es, gemeinsam mit Familie und Freunden digitale Pausen einzulegen.

Die Forschenden raten außerdem zu mehr positiven Aktivitäten offline wie Sport und Brettspielabende mit Freunden. Zudem sei es ratsam, auf guten Schlaf zu achten. Dabei helfen feste Schlafzeiten und der Verzicht auf soziale Medien kurz vor dem Einschlafen. Gesunde Ernährung und regelmäßige Kontakte in der realen Welt sind ebenfalls förderlich für das Wohlbefinden.

Das Deutsche Gesundheitsbarometer: Ein neues Frühwarnsystem für psychische Gesundheit

Mit dem Deutschen Gesundheitsbarometer geht eine bundesweite Plattform an den Start, die regelmäßig das seelische Befinden und den Lebensstil der Bevölkerung erfasst. Ziel ist es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und passgenaue Präventions- und Unterstützungsangebote zu entwickeln.

Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich zu beteiligen und damit einen wichtigen Beitrag zur Forschung und zur Verbesserung der psychischen Gesundheit in Deutschland zu leisten.

 

Quelle: Presseinformation der Ruhr-Universität Bochum

Foto von Viktor Bystrov auf Unsplash