Social Media: Leopoldina empfiehlt besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen - Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit
Aktuelles

Social Media: Leopoldina empfiehlt besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen

DZPG-Sprecherin Prof. Silvia Schneider und PD Dr. Julia Brailovskaia vom DZPG-Standort Bochum Marburg haben an dem Diskussionspapier der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina mitgewirkt.

Die Nutzung sozialer Medien gehört für viele Kinder und Jugendliche in Deutschland längst zum Alltag. Doch intensives oder suchtartiges Nutzungsverhalten kann das psychische, emotionale und soziale Wohlbefinden beeinträchtigen – mit möglichen Folgen wie Depressions- und Angstsymptomen, Aufmerksamkeits- oder Schlafproblemen.

Vor diesem Hintergrund hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina am 13. August 2025 das Diskussionspapier „Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ veröffentlicht. Darin sprechen sich die Autorinnen und Autoren für die Anwendung des Vorsorgeprinzips aus und formulieren konkrete Handlungsempfehlungen, um Kinder und Jugendliche besser vor den Risiken sozialer Medien zu schützen.

Social Media belastet die Psyche

Laut Studienlage gibt es deutliche Zusammenhänge zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und psychischer Belastung. Deshalb plädieren die Autorinnen und Autoren unter anderem für ein Verbot von Social-Media-Accounts für Kinder unter 13 Jahre, eine gesetzlich vorgeschriebene elterliche Zustimmung für 13- bis 15-Jährige sowie eine altersgerechte Gestaltung sozialer Netzwerke für 13- bis 17-Jährige, z. B. durch Einschränkung algorithmischer Vorschläge. Außerdem empfehlen sie, dass Smartphones in Kitas und Schulen bis einschließlich Klasse 10 nicht genutzt werden.

Empfehlungen für Umsetzung und Prävention

Mögliche Regulierungen könnten auf EU-Ebene vorangebracht werden. Die geplante Einführung der datenschutzkonformen „EUDI-Wallet“ könnte etwa einen digitalen Altersnachweis ermöglichen. 

Um einen bewussteren Umgang mit sozialen Medien zu fördern, empfehlen die Autoren, in Kitas und Schulen einen verbindlichen digitalen Bildungskanon einzuführen. Zugleich gelte es, die Kompetenzen von Lehr- und Erziehungsfachkräften zu stärken, damit sie riskantes oder suchtähnliches Nutzungsverhalten frühzeitig erkennen und angemessen darauf reagieren können. Ergänzend sollten leicht zugängliche Public-Health-Kampagnen Familien über die möglichen Auswirkungen sozialer Medien auf die psychische Gesundheit informieren und Wege zu einer positiven, gesunden Nutzung aufzeigen. Zudem sei weitere Forschung notwendig, um die Wirkmechanismen der Social-Media-Nutzung in dieser Altersgruppe besser zu verstehen und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen zu überprüfen.

Das vollständige Diskussionspapier der Leopoldina ist hier abrufbar.

Quelle: Ruhr Universität Bochum

Zur DZPG-Pressemitteilung Psychisch gesund durch die Sommerferien: DZPG warnt vor zu viel kindlichem Medienkonsum