Wissenschaftliche Perspektive
Prof. Isabel Dziobek, Standortsprecherin Berlin-Potsdam am DZPG, sagt: „Die Ursachen von Autismus sind komplex und multifaktoriell, mit einem klaren Schwerpunkt auf genetischen Faktoren. Umweltfaktoren können eine Rolle spielen, doch weder Paracetamol noch Impfstoffe verursachen nachweislich Autismus. In großen internationalen Kohortenstudien finden sich keine robusten Belege für einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, wie sie jetzt behauptet werden. Vielmehr zeigen diese Studien, dass Autismus ein Spektrum von neurobiologischen Varianten ist, das nicht auf einzelne Medikamente oder Impfungen zurückgeführt werden kann.“
Betroffenen-Perspektive
Silke Lipinski, Sprecherin für Betroffene beim Trialogischen Zentrumsrat am DZPG, warnt vor den Folgen solcher Falschinformationen: „Für autistische Menschen sind solche Aussagen verletzend und stigmatisierend. Sie reaktivieren alte Vorurteile und reduzieren Autismus darauf, dass er etwas sei, das man vermeiden oder ,heilen‘ müsse, anstatt ihn auch als Teil menschlicher Vielfalt zu begreifen. Solche Falschbehauptungen lenken zudem von den eigentlichen Aufgaben ab: bessere Akzeptanz, Diagnostik, Unterstützung und Teilhabe von Autistinnen und Autisten in Bildung, Gesundheit und Arbeitswelt. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Eltern aus Angst auf notwendige medizinische Versorgung wie Fiebermittel oder Impfungen verzichten – mit gravierenden Folgen für Kinder.“
Wissenschaftliche Referenzen
- Ahlqvist, V. H. et al. JAMA 331, 1205–1214 (2024). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38592388/
- Okubo, Y., Hayakawa, I., Sugitate, R. & Nariai, H. Paediatr. Perinat. Epidemiol (2025). https://doi.org/10.1111/ppe.70071
- Prada, D., Ritz, B., Bauer, A. Z. & Baccarelli, A. A. Environ Health. 24, 56 (2025). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40804730/
- Damkier, P. et al. Obstet. Gynecol. 145, 168–176 (2025). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39637384/