Depressionen zählen laut WHO zu den häufigsten und folgenreichsten Erkrankungen weltweit. Während viele Betroffene gut auf Psychotherapie und Medikamente ansprechen, bleibt bei einem Teil der Patienten der gewünschte Behandlungserfolg aus. Man spricht dann von einer behandlungsresistenten Depression. Für diese Gruppe werden dringend neue Therapieoptionen gesucht.
Ein vielversprechender Kandidat ist das Hormon DHEA. Es wird in den Nebennieren produziert und dient als Vorstufe für Sexualhormone wie Testosteron und Östrogen. Ab dem 25. bis 30. Lebensjahr sinkt der körpereigene DHEA-Spiegel kontinuierlich. Frühere Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit Depressionen häufig niedrigere DHEA-Werte aufweisen und dass eine gezielte Gabe des Hormons depressive Symptome lindern könnte. Belastbare klinische Daten fehlten bislang jedoch.
Große Studie überprüft Nutzen der Zusatztherapie
Studienleiter und DZPG-Forscher Prof. Christian Otte und sein Team wollen diese Lücke nun schließen. Patientinnen, bei denen bisherige medikamentöse Behandlungen nicht ausreichend angeschlagen haben, erhalten für sechs Wochen entweder DHEA oder ein Placebo, zusätzlich zu ihrer bestehenden antidepressiven Therapie. Die Studie ist doppelblind und randomisiert, das heißt, weder Teilnehmende noch Behandelnde wissen, wer das Hormon und wer das Placebo erhält. Fünf Kontrolltermine sowie standardisierte Fragebögen sichern eine systematische Erfassung der Symptomveränderungen.
Behandlung personalisieren und Lücken schließen
Neben der antidepressiven Wirkung untersucht die Studie auch mögliche positive Effekte von DHEA auf den Stoffwechsel sowie auf Blutfette und Blutzucker. Sollte DHEA das Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren, wäre das für die Betroffenen ein weiterer gesundheitlicher Vorteil.
„Sollten sich die positiven Effekte von DHEA in der Studie bestätigen, könnte dies langfristig zu verbesserten Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit Depressionen beitragen – insbesondere für diejenigen, bei denen bisherige Therapien nicht ausreichend wirken", so Otte.
Quelle: Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin