NEUE ANSÄTZE FÜR EINE UNTERSCHÄTZTE ERKRANKUNG
PMDS geht weit über typische prämenstruelle Beschwerden hinaus. Betroffene leiden monatlich unter starken Stimmungseinbrüchen, Ängsten, Reizbarkeit oder Erschöpfung, die die Lebensqualität und Teilhabe erheblich beeinträchtigen können. Dennoch wird die Erkrankung häufig nicht erkannt oder unzureichend behandelt.
Im Projekt EVA-Stim untersucht das Forschungsteam, ob die transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation (taVNS) eine wirksame und alltagstaugliche Behandlungsmöglichkeit für Frauen mit PMDS sein kann. Dabei wird der Vagusnerv mithilfe sanfter elektrischer Impulse über eine Elektrode an der Ohrmuschel stimuliert. Die nicht-invasive Methode kann nach einer Einweisung selbstständig zu Hause angewendet werden.
FORSCHUNG ZU WIRKUNG UND WIRKMECHANISMEN
Neben der Wirksamkeit der Behandlung untersucht die Studie auch die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen. Dafür werden unter anderem Hirnaktivität, Herzratenvariabilität sowie weitere physiologische Marker erfasst. Ziel ist es, besser zu verstehen, welche Patientinnen besonders von der Behandlung profitieren und neuromodulatorische Verfahren gezielt weiterzuentwickeln.
Die multizentrische Studie wird vom Universitätsklinikum Magdeburg koordiniert und in Zusammenarbeit mit mehreren DZPG-Standorten durchgeführt. Am Standort Halle–Jena–Magdeburg ist das Institut für Medizinische Psychologie der Universitätsmedizin Magdeburg unter der Leitung von Prof. Dr. Tino Zähle an dem Projekt beteiligt. Die Studie ist der DZPG-Infrastruktur Neuromodulation zugeordnet, die innovative neuromodulatorische Verfahren für Forschung und klinische Anwendung weiterentwickelt. Neben dem Standort Halle–Jena–Magdeburg sind auch Forschende des DZPG-Standorts Mannheim–Heidelberg–Ulm (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim), des DZPG-Standorts München–Augsburg (Technische Universität München und Ludwig-Maximilians-Universität München) sowie des DZPG-Standorts Tübingen (Universitätsklinikum Tübingen) an der Studie beteiligt.
„Gerade PMDS ist nach wie vor mit Vorurteilen und Stigmata verbunden. Viele Betroffene werden nicht ernst genommen, obwohl die Erkrankung die Lebensqualität, die soziale Teilhabe und die Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigen kann.“, sagt Dr. Maria Kühne.
Für sie ist die Auszeichnung zugleich ein Signal für die Bedeutung der Forschung zur psychischen Gesundheit von Frauen. Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, neue, niedrigschwellige Therapieoptionen für Frauen mit PMDS zu entwickeln und die Versorgung Betroffener zu verbessern.
Quelle: Pressemitteilung der Medizinische Fakultät Universitätsklinikum Magdeburg