Forschung

Deutschlands erstes transdisziplinäres Säuglingsschlafzentrum

Welche Funktionen hat frühkindlicher Schlaf, und wovon wird er beeinflusst? Diesen Fragen sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen bereits mehrfach nachgegangen. Nun haben Forschende des DZPG-Standorts Bochum-Marburg einen fachübergreifenden Ansatz konzipiert, der zum Zugpferd der entwicklungsbezogenen Schlafforschung werden könnte.

Innerhalb der kommenden vier Jahre wird das Team um Prof. Dr. Sabine Seehagen (Ruhr-Universität Bochum) ein transdisziplinäres Säuglingsschlafzentrum einrichten – das erste seiner Art in Deutschland. Die Volkswagen Stiftung fördert das Projekt „NAP – The infant sleep hub“ im Rahmen ihrer Momentum-Initiative mit rund 850.000 Euro. 

Das vorhandene Wissen zum frühen Schlaf sei stark fragmentiert, betont Sabine Seehagen, Professorin für Entwicklungspsychologie an der Ruhr-Universität Bochum. „Das ist problematisch, weil wir dieses komplexe Phänomen nur durch das Zusammenbringen von unterschiedlichen theoretischen Modellen und empirischen Methoden verstehen können.“ Innerhalb des neu entstehenden Säuglingsschlafzentrums arbeiten deshalb Forschende verschiedener Disziplinen eng zusammen. Zudem sollen Perspektiven von Personen einfließen, die sich außerhalb des universitären Kontexts mit frühkindlichem Schlaf beschäftigen, also beispielsweise Eltern, Hebammen und Erzieher.  „Unser Ziel ist es, die Bedeutung des frühen Schlafs auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Entwicklungsbereichen zu verstehen, also etwa mit Blick auf Gene und sozialen Kontext sowie in den Bereichen mentaler Gesundheit und Emotion“, betont die Wissenschaftlerin. 

Dafür sieht das kooperative Netzwerk ein breites Spektrum an Maßnahmen vor. Neben kooperativen Forschungsprojekten wird es ein Fellowship-Programm für internationale (Post-)Doktorandinnen und Doktoranden geben. Zudem werden die Forschenden in regelmäßigen Abständen Symposien organisieren und ihre Erkenntnisse als Handlungsempfehlungen an Politik und Praxis weitergeben. „Damit wird das Zentrum die Herangehensweise an Schlafforschung in unserer Arbeitsgruppe grundlegend verändern“, sagt Sabine Seehagen. 

Mit der Momentum-Initiative zielt die Volkswagen Stiftung nach eigenen Angaben darauf ab, neue Ideen für Forschung und Lehre zu befördern. Angesprochen sind Professorinnen und Professoren drei bis fünf Jahre nach Antritt ihrer ersten Lebenszeitprofessur. Über die Förderung sollen sie die Möglichkeit erhalten, ihre Professur strategisch und inhaltlich weiterzuentwickeln. Mehr dazu hier.

DZPG Säuglingsschlafzentrum